Am Freitag beginnt mit dem Spiel des Meisters Bayern München gegen die TSG Hoffenheim (20.30 Uhr) die 56. Bundesligasaison. Unsere Sportredaktion beantwortet Ihnen die dringendsten Fragen der Saison. 

Wer wird Zweiter?

Seit Jahren ja die spannendste Frage der Bundesliga. In dieser Saison wird es Bayer Leverkusen, weil die Mannschaft an guten Tagen den schnittigsten und frischsten Fußball der Liga spielen kann. Das Team von Heiko Herrlich muss es nur hinbekommen, in diesem Jahr so viele gute Tage wie möglich einzustreuen. Dass Leverkusen Zweiter wird, liegt aber vor allem an der wenig überzeugenden Konkurrenz. Der BVB wird erkennen, dass ein Kauz wie Lucien Favre nicht in ihren Emotionsclub passt. Die TSG Hoffenheim musste ihre besten Spieler ziehen lassen. RB Leipzig wartet schon auf Julian Nagelsmann. Und Schalke 04 hatte zwei gute Saisons hintereinander zuletzt irgendwann in den Fünfzigern.
– Christian Spiller, Ressortleiter Sport

Hoffenheim. Zwar hat er wieder gute Spieler verloren, aber Julian Nagelsmann wird im Abschiedsjahr alles rausholen. Die TSG hatte in der Vorsaison über gut drei Monate eine ungewohnt schwache Phase, wurde am Ende dennoch Dritter. Ob Nagelsmann ein großer Trainer wird, ist nicht gesagt. Aber er hat wenigstens Mut. Er sagt, er wolle probieren, Meister zu werden. In der Tat könnte das Rennen um Platz zwei wie im Vorjahr sehr spannend werden, weil sich fünf etwa gleich starke Vereine daran beteiligen werden: Hoffenheim, Schalke, Leipzig, Dortmund, Leverkusen. Vielleicht sogar mehr, vielleicht sogar Bayern München.
– Oliver Fritsch, Sportredakteur

Saisonprognosen leben von der erfrischenden Bereitschaft zu scheitern. So in etwa spielt Hoffenheim, seit sie sich 2008 in die Bundesliga gedrängelt haben. Nur: Gescheitert sind sie nie. 2017 Vierter, 2018 Dritter, Julian Nagelsmann wirkt. Professionell wie er ist, hat er seine Zukunft auch schon offengelegt. Er geht nach der Saison nach Leipzig, was in seinem Alter sonst nur Kunststudenten oder von Berlin Enttäuschte machen. Nagelsmann wird alles dafür tun, seinen künftigen Chef in Leipzig, Ralf Rangnick, zu beeindrucken und vor ihm landen. Nagelsmann ist einer der wenigen Trainer, die sich etwas trauen. Einigeln ist jedenfalls keine Hoffenheimer Disziplin, und klug nachgekauft wurde auch.
– Fabian Scheler, Sportredakteur

Wer steigt ab?

Nürnberg und Mainz. Die Liga, aus der Nürnberg entstiegen ist, war mager an Niveau. Wer nun glaubt, der Club habe sich für die erste Liga verstärkt, bundesligaerfahrene Spieler geholt und die wichtigsten Spieler der Aufstiegsmannschaft gehalten, so wie es eben ein Aufsteiger machen würde, der denkt auch das Drei im Weggla eine Yogatechnik ist. Der Club ist nicht nur Rekordaufsteiger, er ist auch Rekordabsteiger. Das bleibt auch nach diesem Jahr so. Und Mainz' Leistung besteht darin, schon das zehnte Jahr in Serie Bundesligist zu sein. Folgerichtig gönnten sich die Mainzer zum Jubiläum drei Rekordtransfers, unter anderem kam das französische Talent Jean-Philippe Mateta. Der soll da helfen, wo es in der vergangenen Saison fürchterlich in die Hose ging: im Sturm. Doch Mateta ist erst 21. Und René Adler wird dem Team bis weit in die erste Saisonhälfte fehlen. Der Trainer Sandro Schwarz sagt: "Wenn wir wieder 40 Punkte holen, war es Mainz-05-Fußball." Aufbruch klingt anders.
– Fabian Scheler

Sorry, liebe Aufsteiger, aber genießt die 34 Spiele, es geht gleich wieder runter. Ein Blick auf die Kader des 1. FC Nürnberg und von Fortuna Düsseldorf lässt einen eher fragend zurück. Wer nicht gerade Fußballscout ist oder Zweitliganerd, der hat nur von den allerwenigsten Spielern je etwas gehört. Nun schießen Namen keine Tore, und eine gewisse Aufstiegseuphorie bringt ja auch stets ein paar Punkte, und stimmungstechnisch tun beide Clubs der Liga sicher auch gut, aber ich sehe wirklich nicht, welche beiden anderen Vereine schlechter sein sollen.
– Christian Spiller

Die beiden Aufsteiger nennen alle, und da ist sicher einiges dran. Eng wird es jedoch auch für Frankfurt. Trainer weg, gute Spieler weg, Wolf, Hrádecký, Boateng und Mascarell, und mit ihnen die gute Stimmung. Schon im Vorjahr war der Kader bei der Eintracht auf Kante genäht. Trotz Pokalsieg war nicht alles toll, in der Rückrunde verlor sie jedes zweite Spiel. Man hat nicht den Eindruck, dass das passt. Als Pech für Frankfurt könnte sich folgende Tatsache erweisen: Dieses Jahr gibt es keinen HSV, der einem Rolle des strauchelnden Traditionsvereins abnehmen kann.
– Oliver Fritsch