Wer spielte wie gegen wen?

Unsere Herzchenwertung gewann diesmal überraschenderweise Frankfurt. Könnte auch am Zeitpunkt des Anstoßes liegen – denn wer sonntags spielt, ist im Vorteil. Könnte am Gegner liegen, denn die Leipziger schlechte Laune steckt vielleicht auch unsere Userinnen und User an. Könnte aber auch daran liegen, dass die Eintracht einfach herzerwärmenden Fußball spielt.

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Hertha gegen Mönchengladbach. Allein deshalb, weil endlich wieder Frank Zanders angerautes Tresensitzerorgan aus den Boxen im Olympiastadion dröhnte, als die Mannschaften den Rasen betraten. Dit is Berlin, wa. Weil es Herthas Geschäftsführer Paul Keuter doch tatsächlich gewagt hatte, den seit einem Vierteljahrhundert gespielten Zander-Evergreen Nur nach Hause gegen Dickes B von Seeed auszutauschen, gingen die traditionsbewussten Herthaner auf die Barrikaden. Die Folge des musischen Skandals: ein Krisengipfel mit Zander und Berlins Führungsriege inklusive Präsident Werner Gegenbauer. Der Berliner Zeitung verriet Zander die pikanten Details: "Ich sagte flapsig: Muss Vadder erst mal auf den Tisch hauen? Gegenbauer nickte und stimmte mir zu." Das Heimspiel gegen Mönchengladbach verpasste Zander allerdings, weil er am Sonntag auf einer Vernissage seiner "einzigartigen Fischbilder" (O-Ton Veranstalter) in Aachen weilte. Da wird sich Vadder geärgert haben, denn seine Jungs gewannen in einem zum Teil furiosen Spiel mit 4:2, hievten sich für drei Stunden auf Tabellenplatz 1 und bewiesen der Konkurrenz, dass Hertha in dieser Saison eine entscheidende Rolle dabei spielen kann, wenn es darum geht, wer sich hinter der Siegesmaschine aus München in die zweite (oder dritte, oder vierte) Reihe stellen darf. "Das war heute Spaß", bilanzierte Trainer Pál Dárdai.

Frank Zander hat übrigens ein noch besseres Lied im Repertoire:

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Schalke gegen Bayern. Bevor in wenigen Anschlägen das große Gejammer über die ewige Dominanz der Bayern beginnt, sei an die Saison 1996/97 in der damals League of Welsh genannten walisischen Eliteklasse erinnert, über die Sie, liebe Leserinnen und Leser, natürlich hinreichend informiert sind, deren Endergebnis hier dennoch Erwähnung finden soll. Damals holte die Auswahl von Barry Town FC aus vierzig Spielen bei einem Torverhältnis von plus 103 dreiunddreißig Siege, sechs Unentschieden und verlor exakt ein einziges Mal, was die mit 105 Punkten errungene Meisterschaft (übrigens vor Inter Cardiff, 84 Punkte) nur geringfügig beschädigte. Im Jahr darauf blieb die Mannschaft sogar ungeschlagen, holte allerdings nur 104 Punkte. Was uns das über den Zustand der hiesigen Meisterschaft verraten kann? Vermutlich nichts, außer dass hoch überlegene Sieger zwar unseren Respekt verdienen, es allerdings ertragen müssen, dass man sie stinklangweilig findet. Der FC Bayern war im von Sky hoffnungsfroh "Topspiel" benannten Duell gegen Schalke (Vizemeister) dermaßen überlegen, dass sich Manuel Neuer auch daran hätte versuchen können, in neunzig Minuten das einst zerbröselte Verhältnis zu seinen früheren Kumpels aus der Kurve zu kitten. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die in dieser Form ein Spiel verlieren", sagte Schalkes Manager Christian Heidel.

Wer stand im Blickpunkt?

Franco Di Santo. Der hatte nicht mitbekommen, in welch miserabler Stimmung sich Domenico Tedesco befand, als der seinen Stürmer nach 65 Minuten vom Feld beorderte. Da hatte der arme Tedesco nicht nur 65 Minuten lang ansehen müssen, wie seine Mannschaft von den übermächtigen Bayern versohlt wurde und der vierten Niederlage im vierten Spiel entgegenrauschte, nein, er hatte auch 65 Minuten lang im Regen gestanden. Und das als Einziger in der gesamten Arena, die zwar über ein schließbares Dach verfügt, dieses Dach aber exakt über der Coaching-Zone ein Leck hatte. Tedesco also hatte eh schon einen furchtbaren Arbeitstag, da entschloss sich Di Santo dazu, seinen Unmut zu bekunden: motzig-mosernd gestikulierend, damit auch die letzte Kamera seinen Ärger einfangen durfte. Weil Tedesco also klar verloren hatte, seine Mannschaft nach diesem Spieltag Letzter ist, er klatschnass war und zu allem Überfluss auch noch sein sich seit langer Zeit im Formtief befindlicher Angreifer des Trainers Kompetenzen infrage gestellt hatte, erklärte er im Field-Interview zunächst, dass man die Angelegenheit "intern klären" werde, nur, um dann doch Di Santo eine angemessene Erziehung abzusprechen. Der wiederum kroch bereits am Sonntag via Twitter und Facebook zu Kreuze und entschuldigte sich mit dem Verweis auf sein "heißes Blut" und seine argentinische Herkunft, die ihn dazu motiviere, in jeden Zweikampf zu gehen, "als wäre es mein Leben". Schalke, wie es sinkt und kracht. Möge auch dieser Streit bald beigelegt sein. Denn wie sagte schon der große Erich Ribbeck: "Das Verhältnis ist nicht zerrüttet. Zerrüttet kann nur eine Ehe sein."