Wer gewinnt?

Olé, was für eine Frage: Niemand wäre überrascht, wenn Real Madrid den Pokal auch das vierte Mal in Folge aufbewahrt. Zwar spart Ronaldo jetzt woanders seine Steuern, bei Juventus Turin. Und Zinédine Zidane verließ Madrid, was in jeder anderen Mannschaft eine tiefe Sinnkrise ausgelöst hätte. Aber bitte, es ist noch immer Real Madrid. Gewohnt zurückhaltend kauften sie dem Nationalteam den Trainer Julen Lopetegui vor der WM weg. Sergio Ramos bleibt der beste und fieseste Verteidiger der Welt, Isco und Asensio sind zwei der größten Talente in Europa und Toni Kroos, Luka Modrić und Casemiro bilden das beste Mittelfeld im ganzen Wettbewerb. Real ist der Favorit.

Zwei andere Teams könnten, wenn es in den K.-o.-Spielen wichtig wird, auf jeden Fall mithalten: Der FC Barcelona hat noch immer Lionel Messi, Sergio Busquets und Luis Suárez. Und Manchester City wird immer weiter angetrieben von Pep Guardiola. Außenseiterchancen haben die Defensivfreunde von Atlético Madrid, die Ronaldo-infizierten Turiner und vielleicht auch die von deutschen Trainern geführten Clubs aus Liverpool, Paris und München. Oder ein ganz anderer packt es, mit dem AS Rom im Halbfinale hätte 2018 auch keiner gerechnet. Na, Schalke?

Finaltipp:
Atlético Madrid – Manchester City 1:0 (Oliver Fritsch)
Real Madrid – Manchester City 1:2 (Fabian Scheler)
FC Liverpool – Manchester City 6:7 n. E. (Christian Spiller)

Wie weit kommen die deutschen Teams?

Nicht sehr weit vermutlich. Gut, da sind die Bayern, Deutschlands einzige Mannschaft von internationalem Format. In der Bundesliga scheint sie wieder keiner bremsen zu können. In der Champions League sind sie aber längst keiner der großen Favoriten mehr, auch weil einige ihrer Spieler schon zur Ü30-Fraktion gehören. Vermutlich wird man ein paar Schwächen schon in der Vorrunde sehen, aber für die Bayern geht's wohl erst wieder richtig im Februar los, im Achtelfinale. Ihre Gegner in der Vorrunde, Benfica Lissabon und Ajax Amsterdam waren mal ganz groß, sind aber nur noch zweitklassig. Mit ein bisschen Losglück, wie im Vorjahr, ist das Halbfinale drin. Soll es dann noch weiter gehen, muss schon viel zusammenkommen.

Schalke 04 wurde zwar Zweiter in der Bundesliga, aber was sagt das schon? In dieser Saison holten die Blau-Weißen noch keinen Punkt. Schönen Fußball werden sie auch in der Champions League kaum spielen, aber – der Losfee sei Dank – gegen Lokomotive Moskau, Galatasaray Istanbul und den FC Porto ist zumindest Platz 2 drin, wenn's gut läuft. Dann wird es aber schnell vorbei sein.

Borussia Dortmund scheint erstmals seit vielen Jahren wieder eine stabile Defensive zu haben. Und vorne hat der BVB ein paar talentierte Stürmer, die auch international Tore schießen können. Allerdings kaum gegen die Abwehrmeister von Atlético Madrid. Aber gegen den FC Brügge und auch den traumabehafteten Gegner AS Monaco kann sich die Borussia durchsetzen. Ab dem möglichen Achtelfinale ist sie Außenseiter.

Die TSG Hoffenheim freut sich über Manchester City, einen der Titelfavoriten, auch wenn die Aussichten auf Punkte gering sind. Zudem verfügen die anderen Gegner Schachtar Donezk und Olympique Lyon über viel mehr Erfahrung als der Champions-League-Neuling aus dem Kraichgau. Schon Platz 3 und die Qualifikation für die Europa League wären ein Erfolg.

Jede Wette: Die Qualitätsdebatte wird der deutsche Fußball auch in diesem Jahr nicht los. Die Verantwortlichen merken das allmählich und reagieren auf sie gereizt.

Und die anderen deutschen Trainer?

Ist die neue deutsche Trainerschule so gut wie ihr Ruf? Diese Frage wird nun einem interessanten Test unterzogen. Jürgen Klopp trifft mit Liverpool auf Thomas Tuchel, der die Startruppe von Paris Saint-Germain anleitet – und das übrigens gleich am ersten Spieltag (Dienstag, 21 Uhr). Das hat es noch nicht gegeben, dass gleich zwei Deutsche Vereine coachen, die zumindest zum erweiterten Favoritenkreis zählen. Doch Klopp und Tuchel müssen erst mal die Vorrunde überstehen, treffen sie doch auf den SSC Neapel, wo ein gewisser Carlo Ancelotti auf der Bank sitzt. Der hat übrigens schon dreimal die Champions League gewonnen. Für einen Titel dürfte es für alle drei nicht reichen. Die Serie A ist out. Bei Liverpool wechseln sich fast in jedem Spiel stürmische Phasen noch immer mit Flauten ab. In Paris sind die Erwartungen riesig, daran kann man fast nur scheitern. Die Katari können noch so viel investieren, für eine Mannschaft auf Topniveau braucht es mehr als Geld.