Es riecht gerade verbrannt in den USA. Viele Amerikaner verheizen aus Wut ihre Sneaker in Öfen und Feuerschalen. Oder sie schneiden den Swoosh, den geschwungenen Pfeil des Sportartikelherstellers Nike, aus ihren Tennissocken. Sie fordern einen Boykott gegen Nike.

Nike hat die patriotischen Widerstandskämpfer provoziert. Pünktlich zum Start der Football-Saison hat das Unternehmen eine Kampagne ins Leben gerufen, die das kontroverseste und politischste Thema des US-Sports aufgreift: den Hymnen-Protest. Indem Spieler sich während des Star Spangled Banner hinknien, protestieren sie gegen Rassismus.

Nike wirbt nämlich ausgerechnet mit Colin Kaepernick, dem Spieler, der als Erstes auf die Knie ging. Sein Gesicht ist zu sehen, darunter der Satz: "Glaube an etwas. Auch wenn du alles dafür opfern musst." Kaepernick kämpfte lange nahezu allein, jetzt hat er den mächtigsten, reichsten, vielleicht auch coolsten Sportbrand der Welt auf seiner Seite. Die Wirkung könnte größer kaum sein. Es ist mehr als eine Werbeaktion, es ist ein Statement, auch an das Weiße Haus.

Kaepernick hat große Opfer gebracht. Der Spielmacher geht zum zweiten Mal vereinslos in eine NFL-Saison. Obwohl er mit 30 im besten Football-Alter ist. Es gibt Spieler, die gut dotierte Verträge besitzen, aber nur halb so gut Football spielen können wie der hochgeschossene Wuschelkopf.

Trump böse

Den Seattle Seahawks, die öffentlich mit einer Verpflichtung kokettieren, warf Kaepernick im Frühjahr vor, dass sie eine Verpflichtung an den Verzicht auf politische Aktionen knüpften. Bereits mehrfach klagte er die NFL-Teams öffentlich an, ihn nicht aus sportlichen, sondern aus politischen Gründen zu verschmähen und ihn so gemeinsam aus der Liga zu halten.

Die aktuelle Kampagne feuert die Debatte an. Nike ist der Ausrüster der NFL, einer, wenn nicht der wichtigste Partner dieses Milliardengeschäfts. Jede Mannschaft trägt die Trikots und Hosen des Herstellers. Die meisten Topstars haben exklusive Schuhverträge mit der Marke. Große Teile des Fan-Equipments wie Regenjacken, Shirts oder Rucksäcke sind ebenfalls mit dem Swoosh versehen. Das N in "NFL" könnte für Nike stehen.

Die New York Times schrieb: "Dieses Kampagne wird viele in der NFL und Team-Besitzer nerven." Auch der wichtigste Seismograf für rechtsgerichtete Wutgefühle schlug an. Donald Trump sagte dem Daily Caller: "Das ist eine furchtbare Botschaft." Touchdown für Colin Kaepernick, der erste seit langer Zeit.

Kaepernick und damit Nike hat auch viele Unterstützer. Die Kampagne legt die Gräben in der amerikanischen Gesellschaft frei. Die einen zürnen, keifen, zündeln. Andere feiern, salutieren. Der Tennis-Superstar Serena Williams twitterte: "Ich bin heute besonders stolz, ein Teil der Nike-Familie zu sein." Der NFL-Lautsprecher Richard Sherman, der mittlerweile bei Kaepernicks Ex-Team in San Francisco spielt, schrieb: "Selten war ein Moment so wahr."