Worüber werden nach dem Spieltag alle reden?

Chemnitz und Köthen, aber nur ganz vielleicht. Bislang hört man von den multiethnischen Ensembles, die Fußballvereine längst sind, recht wenig dazu. Das Hashtag #wirsindmehr bleibt weitgehend ungenutzt. Der Fußball müsse versuchen, "sich aus politischen Positionen herauszuhalten", sagte Ralf Rangnick nun, der Sportchef des sächsischen Bundesligisten RB Leipzig. "Wir lassen uns nicht vor jeden Karren spannen." Das war eine ungewöhnliche Formulierung, denn sie bezog sich auf die Aktion mit der regenbogenfarbenen Kapitänsbinde, mit der andere Bundesligisten für Vielfalt und Toleranz werben. Es ist keine untypische Haltung vieler Leute im Sport, wenn's eng wird. Dann setzen sie das Bekenntnis für Grundrechte mit Politik gleich. Leipzigs Chef Oliver Mintzlaff hat der Mitteldeutschen Zeitung zufolge sogar angekündigt, Banner mit politischen Aussagen im Stadion nicht zu genehmigen. Das wäre vielleicht nicht verboten, wäre aber, wie Juristen sagen, eine Einschränkung der Meinungsfreiheit und der freien Entfaltung der Persönlichkeit in einem sozial repräsentativen Raum.

Das Ganze ist vielleicht auch eine Leipziger Besonderheit. Der Boss von Red Bull, Dietrich Mateschitz, ist nicht gerade, sagen wir, der klassische Antifatyp. Und politische Enthaltsamkeit, wie Rangnick sie vorschwebt, ist auch nicht sein Ding. Der BVB hingegen wird am Freitag gegen Frankfurt auf den Trikots keine Werbung machen, sondern eine Botschaft senden: "Borussia verbindet – gemeinsam gegen Rassismus".

Was machen die Frauen?

Die Bundesliga beginnt. Der Meister Wolfsburg trifft am Sonntag um 14 Uhr auf den Altmeister 1. FFC Frankfurt. Bayern spielt zwei Stunden später in Leverkusen. In dieser Woche standen die Hinspiele des Sechzehntelfinals der Champions League an. Die Wölfinnen taten sich schwer, gewannen nur 1:0 in Thor, bei den isländischen Meisterinnen. Bayern hingegen gewann 7:0 bei Spartak Subotica in Serbien. Das erste Tor schoss Lewandowski.

Was wird sonst noch wichtig?

Das zweite Frühstück. Sage noch einer, die beim DFB sind nicht mehr ganz knusper. In der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt kam nämlich Post an. Vor zwei Wochen hatte Jan Löhmannsröben, ein Spieler aus Kaiserslautern, über den Schiedsrichter geschimpft und gesagt, der solle lieber "Cornflakes zählen". Daraufhin hat das DFB-Sportgericht Ermittlungen angestrengt, dem Spieler droht eine Strafe. Aus Protest schickten dann Fans aus ganz Deutschland rund 700 Päckchen Maisflocken an den Verband. Der DFB hat angekündigt, das süße Zeug der Tafel zu spenden.

Und Spanien, einer der Loser von Russland, hat mal eben Kroatien, den Vizeweltmeister 6:0 zerstört. Ein geknickter Luka Modrić – und kein schlechter Einstand des neuen Trainers Luis Enrique. Die Spanier, stolz und stur, wie sie sind, halten sich einfach nicht an das Ende des Ballbesitzfußballs, das Deutschland, das Reich der Fußballexperten, ausgerufen hat.

Was war das Zitat der Woche?

"Die Polizeibilanz von Chemnitz war nicht anders als bei einem mittleren Bundesligaspiel."
Alexander Gauland, nach eigenen Angaben kein Fußballexperte, war, wenn überhaupt, wohl zuletzt in den Achtzigern in einem Stadion.