Julius Thomas will nicht mehr. Er will keine Spielzüge mehr üben. Er will nicht mehr Gewichte stemmen und stundenlang Videos analysieren. Thomas will auch nicht mehr Essenspläne befolgen und zu Auswärtsspielen reisen. Er will keine Gegner mehr, die er zu Boden stoßen muss. Keine Verletzungen mehr, die er kurieren muss. Der 30-jährige NFL-Profi hört auf, beendet seine Karriere. Und startet eine neue.

Thomas will noch einmal die Schulbank drücken, wie er selbst sagt. Sein Plan: einen Doktor in Psychologie machen, um Hirntraumata bei NFL-Spielern zu untersuchen. Er will außerdem erforschen, ob es Möglichkeiten gibt, Gehirnkrankheiten in Kontaktsportarten früh zu erkennen.

"Football birgt ernsthafte kognitive Risiken", schreibt Thomas in seinem Rücktrittsschreiben auf The Player’s Tribune. "Ich will diese Risiken nicht nur aus der Sicht eines Psychologen, sondern auch aus der Sicht eines ehemaligen Spielers, der mehrere Jahre auf dem höchsten Level gespielt hat, untersuchen."

Groß und schwer, aber auch athletisch

Julius Thomas kam 2011 in die NFL, die Denver Broncos sicherten sich die Rechte an dem damals 23 Jahre alten Spieler. Thomas hatte mit Peyton Manning einen Superstar-Quarterback im Team. In den Saisons 2012 und 2013 machte der Tight End jeweils zwölf Touchdowns, Thomas gehörte damit zu den Topspielern auf seiner Position.

Die Rolle als Tight End ist spielerisch sehr anspruchsvoll. Er stellt sich in die Offensive Line, die den Quarterback schützt, und muss die schweren Gegenspieler aus der Defensive Line blocken können. Gleichzeitig wird er aber auch als Ballträger und Passempfänger eingesetzt, muss also ballsicher und schnell sein. Früher musste ein Tight End entweder das eine oder das andere können. Inzwischen fordern die Teams, dass ein Spieler beides eint. Die Philadelphia Eagles, die in der vergangenen Saison den Superbowl gewannen, setzen sogar mehrere Tight Ends auf einmal ein.

Diese Spieler müssen groß und schwer, aber auch athletisch und schnell sein. Wie Thomas. Er ist 1,96 Meter groß und wiegt 112 Kilogramm. Fängt er einen Pass, ist er im Duell Mann gegen Mann kaum zu stoppen. Sieben Jahre blockte er Gegner und fing Pässe, spielte nach vier Jahren bei den Denver Broncos noch zweite weitere bei den Jacksonville Jaguars und eine Saison bei den Miami Dolphins.

Thomas gefiel dieses Leben, er liebte Football. Er hat aber auch viel nachgedacht und reflektiert. "Ich war auf materielle Dinge fokussiert: Autos, Häuser, Gehaltsscheck", sagt der 30-Jährige. "Endlich hatte ich das alles. Aber es hat etwas gefehlt. Wenn ich komplett ehrlich mit mir war, wurde mir klar: Diese Dinge machen dich nicht glücklich.

"Ich lernte: Egal, was du hast, und egal, was die anderen Leute über dich denken, das Glück hängt davon ab, wie du es definierst", schreibt Thomas. "Ich erkannte, dass ich mein Leben nur mit dem Ziel lebte, der beste Footballer zu sein. Sonst gab es nichts." Sein Leben als Profisportler habe aber andere Facetten seiner Persönlichkeit unterdrückt. Um das zu ändern, fing er an, Bücher zu lesen, unter anderem Sokrates und Martin Luther King.