Kristina Vogel trägt Pfennigabsätze an ihren spitzen roten Pumps. Ein dünnes Band schlingt sich um ihren schmalen Knöchel. So grazil der Anblick ist, mit diesem Schuhen wird sie keinen Schritt mehr gehen können.

Nicht weil der Absatz zu hoch ist, die Schuhe zu eng sind – Kristina Vogel wird keinen Schritt mehr gehen können, weil sie nicht mehr laufen kann. Sie ist querschnittgelähmt und sitzt im Rollstuhl. "Ich werde in meinem Leben nicht mehr selbstständig laufen können", sagt sie im Kesselhaus des Unfallklinikums Berlin-Marzahn, wo sie behandelt wird. "Das ist ein Fakt."

Es ist ihre erste Pressekonferenz nach ihrem Spiegel-Interview. Darin hat sie erzählt, dass der Unfall, den sie im Juni beim Training in Cottbus erlitt, zu der erschütternden Diagnose geführt hat. Ganz Sportdeutschland nimmt seitdem Anteil an ihrem Schicksal, staunt aber auch über die Bahnrad-Olympiasiegerin. Denn der Tenor war: Das ist alles traurig und schlimm, klar, aber es geht natürlich weiter.

Viele fragten sich nach der Lektüre: Kann das stimmen? Ist sie eine solche Heldin, die weiterhin Lebensfreude und, ja, Leistungswillen ausstrahlt? Der Eindruck von Berlin: Ja, das kann sehr wohl stimmen. Sie erweckt nicht ein Fünkchen Selbstmitleid, spricht ohne Tränen, ruhig, jeder im Raum kann sie gut verstehen. "Was soll ich mich bedauern? Es ist, wie es ist." Das sagt Kristina Vogel mindestens dreimal.

Sie kann sich schon ins Bett befördern

Sie will nicht, dass die Frage "Warum ich?" ihr Leben bestimmt. Ihre Gesichtszüge sind weich, ihre weiße Bluse fällt locker, die Haare sind offen. Derweil zählen ihr die behandelnden Ärzte ihre Verletzungen auf: Wirbelsäulenverletzung mit gebrochenem Brustbein und Klavikulafraktur, Schlüsselbeinbruch.

Acht Wochen durfte sie sich nicht bewegen. In dieser Zeit spielte sie mit der Elektronik des Bettes, erzählt sie, damit überhaupt mal was passiert. Manchmal schob sie ihr Lebensgefährte Michael Seidenbecher ans Fenster, damit sie frische Luft hatte. "Legen Sie sich mal vier Stunden ins Bett auf eine Seite und tun nichts!", sagt sie. "Da spüren Sie einen Drang, eine Unruhe." Der Schluss sei grausam gewesen, die ganze Zeit wurde sie von links nach rechts gedreht. "Zwei Tage länger und ich hätte randaliert." "Frau Vogel, seien Sie geduldig!" Den Satz konnte sie irgendwann nicht mehr hören.

Geduld hat sie jetzt keine mehr, sie will los, sie will raus. Und sie macht Fortschritte. Mittlerweile kann sie sich schon vom Rollstuhl ins Bett befördern und wieder zurück. Wer sie in Berlin beobachtet, kann sehen, dass sie dazu in der Lage ist. Immer wieder stützt sie sich mit ihren Armen am Rollstuhl auf, drückt sich mit den Armen hoch, damit sie ihren Oberkörper anders positionieren kann. Bei Kristina Vogel sieht das ganz leicht aus. Sie ist eben eine Leistungssportlerin.