Allein schon die Sache mit dem Namen. Red Bull Salzburg ist das einzige Team im europäischen Fußball, das in Österreich anders heißt als im Ausland. Weil Sponsorennamen im Europapokal verboten sind, wird Red Bull Salzburg dort zum FC Salzburg. Solche Verrenkungen muss der Club vollführen, damit er und der Bruder aus Leipzig von der Uefa überhaupt in der gleichen Liga zugelassen werden.

Wenn der FC Salzburg am Donnerstagabend bei RB Leipzig antritt, ist das so ziemlich das Gegenteil von einem ganz normalen Fußballspiel. Das Los wollte es, dass gleich am ersten Spieltag der Europa League zwei Vereine aufeinandertreffen, die beide vom österreichischen Getränkekonzern Red Bull ihr Geld bekommen. So etwas wollte die Uefa mal verhindern, als sie den Artikel 5 ihrer Regularien erdachte, in dem es um die "Integrität des Wettbewerbs" geht. Der besagt, grob vereinfacht, dass Teams nicht gleichzeitig im Europapokal teilnehmen dürfen, wenn sie von den gleichen Personen gesteuert werden. Sonst könnte es zu Absprachen kommen, zu einer Stallorder. Es würde wohl nicht mehr die bessere Mannschaft gewinnen, sondern die, die dem Geldgeber wichtiger ist.

Ausgereizt was ging

Um nicht gegen den Artikel 5 zu verstoßen, mussten sie bei Red Bull aktiv und kreativ werden. Vor allem in Salzburg, wo der große Boss Dietrich Mateschitz schon 2005 einstieg, viele Jahre, bevor er Leipzig entdeckte. In Sachsen ist die Red Bull GmbH weiterhin mit 99 Prozent der Stimmanteile Mehrheitseigner der RB Leipzig GmbH. In Salzburg aber ist Red Bull formal nur noch Sponsor des Vereins.

"Die Clubs waren mal vor Jahren eng verzahnt, das ist heute nicht mehr der Fall", sagte Oliver Mintzlaff, der Leipziger Geschäftsführer, dem kicker. Vor einigen Jahren war Mintzlaff noch Head of Global Soccer und steuerte die globalen Fußballaktivitäten von Red Bull. Zu dieser Zeit war Ralf Rangnick auch noch Manager von Salzburg und Leipzig gleichzeitig. Spätestens als absehbar wurde, dass Leipzig im internationalen Geschäft landen könnte, arbeiteten die Juristen an der rechtlichen Entflechtung beider Clubs. Mintzlaff und Rangnick konzentrieren sich seit einiger Zeit schon nur noch auf ihre Tätigkeit in Leipzig. Im vergangenen Jahr gab die Uefa dann grünes Licht, obwohl ein Uefa-Chefermittler Leipzig zunächst nicht zulassen wollte.

Viele rümpften damals die Nase. Für die Kritiker hatte Red Bull mal wieder ausgereizt, was ging, und die Uefa hat es mit sich machen lassen. Bis heute wechselten zum Beispiel 25 Spieler zwischen Salzburg und Leipzig. Die Wechsel von Jugendspielern zum Salzburger Farmteam FC Liefering sind da noch gar nicht mit eingerechnet. Und noch immer ähneln sich beide Clubs in vielerlei Hinsicht: Beide spielen in einer Red-Bull-Arena, das Maskottchen beider Clubs ist ein roter Bulle, das Trikot, die Vereinswappen, die Website … es bleibt ein Duell der Gleichen.

Zuletzt hatte es kurz so gewirkt, als habe sich Salzburg emanzipiert. Angeblich war Leipzig sowohl am Salzburger Trainer Marco Rose als auch am Mittelfeldspieler Amadou Haidara interessiert. In beiden Fällen verlängerte Salzburg im Sommer die Verträge und schrieb bei Haidara sogar stolz dazu: "Ohne Ausstiegsklausel." Kürzlich allerdings ließ Ralf Rangnick verlauten, dass für den Winter schon zwei Leipziger Neuzugänge feststünden. Dabei soll es sich um eben jenen Haidara von RB Salzburg und Tyler Adams von New York Red Bulls handeln.