Wer spielte wie gegen wen?

Schon wieder haben Sie, liebe Userinnen und User, dem VfL Wolfsburg die wenigsten Sympathien zukommen lassen. Haben Sie kein Herz für Autos?

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Leverkusen gegen Dortmund. Unter einigen bemerkenswerten Spielen am Wochenende war es das bemerkenswerteste. Tempo, Dramatik, Tore – alles dabei. Bayer 04 ging durch einen Fernschuss und einen Eckball 2:0 in Führung und war bis etwa Mitte der zweiten Halbzeit dem 3:0 nahe. Nichts deutete auf eine Wende hin, doch sie kam, und zwar beachtlich. Erst schoss Dortmund ein Tor und kurz darauf erkonterten der junge Engländer Jadon Sancho, soeben eingewechselt, und Marco Reus blitzesgleich den Ausgleich. Vor dem 2:3 kombinierte das BVB-Kollektiv die überforderte Elf um die Bender-Drillinge dusselig. Es traf der eingewechselte Paco Alcácer, dem zum Schluss noch ein Empty-Net-Goal glückte. Diese beiden Treffer, der zweite und der dritte, entstammten einer außergewöhnlichen Mischung aus Präzision und Tempo, die in der Bundesliga selten geworden ist.

Der BVB hat schon ein paar graue Leistungen geliefert in dieser Saison, aber noch kein Spiel verloren. Und er hat nun 19 Tore in nur sechs Spielen geschossen, sensationelle zwölf Spieler haben schon getroffen. Doch die größte Hoffnung, dass in diesem Jahr wieder mehr drin ist, ist die Abwehr. Der BVB hat jetzt eine, kann man sagen, wenn auch eine sehr junge. Marcel Schmelzer und Łukasz Piszczek, die letzten Verbliebenen aus den Kloppschen Meisterjahren, standen beim Abpfiff nicht auf dem Feld. Selbst für das größte Problem der vergangenen Jahre, das defensive Mittelfeld, scheint eine mehr als nur brauchbare Lösung gefunden: Axel Witsel. Deutsche Fußballexperten fragen übrigens noch immer nach Mario Götze und warum der so selten spielt. Wer die zweite Halbzeit von Leverkusen sah und den 7:0-Sieg unter der Woche, könnte der Sache auf den Grund kommen: Seine Mitspieler sind einfach besser.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

HSV gegen St. Pauli. Ist Hamburg blau-weiß oder weiß-braun? Hamburg ist zunächst mal schlecht. Das erste Derby seit mehr als sieben Jahren, das erste in der Zweiten Liga überhaupt, sahen zwar 57.000 Leute im Volkspark und 15.000 beim Public Viewing am Millerntor, darunter einige fratzengeballerorientierte. Doch es war ein Duell, das 90 Minuten lang den Puls aller Beobachter senkte. 0:0 ging es aus, der HSV ist nun seit drei Spielen ohne Tor, der Trainer Christian Titz sollte sich Gedanken machen. 1.800 Beamte waren im Einsatz, doch nichts Erwähnenswertes passierte, das Spiel sedierte selbst die Hools. Immerhin, die Hamburger Polizei zog eine positive Bilanz, sonst aber niemand.

Wer stand im Blickpunkt?

Ron-Robert Zieler. Der Stuttgarter Keeper ist aufgrund seiner ästhetischen Paraden eine beliebte Figur beim berühmten Fußballsimulationsvideospiel Fifa. Im Spiel gegen Bremen wurde er wohl Opfer eines Bugs. Als sein Mitspieler Borna Sosa ihn mit einem Einwurf anvisierte, schaute Zieler nicht hin, sondern arbeitete an seiner Kleiderordnung. Erst durch Zuschauerrufe wurde er überhaupt erst auf den sich nähernden Ball aufmerksam. "Was willst du denn hier?", schrie er ihn an, will die Welt erfahren haben. Dann touchierte er ihn, und der rollte zum Bremer Ausgleich ins Tor. Hätte Ziegler dem Ball einfach nur dabei zugeschaut, es hätte Eckball gegeben. So unterlief ihm das erste Einwurfeigentor der Bundesliga seit Jean-Marie Pfaff. Pech gehabt, der Lacher des Tages.

Stuttgart siegte noch, umso mehr hätte es Zieler mit Humor nehmen können. Die Reporter wollten entsprechend ein paar nette Aussagen von ihm einholen. Doch der Keeper reagierte empfindlich. "Das ist wieder typisch, dass man alles auf die Szene reduziert", maulte er. "Was man nicht sieht, kann man nicht halten." Die Schuldfrage kläre man "intern". Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke sagte sogar: "Schmunzeln kann man darüber nicht." Warum denn nicht? Der Verlierer schaffte es doch auch. "Das war vielleicht Bundesligageschichte", sagte der Bremer Trainer Florian Kohfeldt, "und ich hab nicht hingeguckt". Kann er nachholen, in jedem Jahresrückblick. Und überhaupt, solche Dinge passieren selbst den größten Meistern:

Es gab noch einen Trost für Zieler, am Sonntag bekam er Konkurrenz als Pechvogel des Spieltags. Das Augsburger Eigentor durch Jonathan Schmid war ebenfalls von ausgesuchter Schrägheit.