Eigentlich könnte alles schön sein in Dresden. Nach dem Fehlstart unter Uwe Neuhaus holte der neue Trainer Maik Walpurgis aus sechs Ligaspielen zehn Punkte. Auch wenn das 2:2 in Magdeburg nach einem verschossenen Elfmeter in der 90. Minute und dem anschließenden Gegentreffer in der Nachspielzeit ein wenig Frust verursachte, scheint ein Platz im Mittelfeld der zweiten Liga realistisch. Die Mannschaft deutete an, das Zeug für mehr zu haben. Es könnte alles auf eine sorgenfreie Saison der Dresdner hinauslaufen.

Wäre da nicht das Gerangel im Hintergrund beim berühmtesten Fußballverein des Ostens, der übrigens auch einer der mitgliederstärksten Vereine ganz Deutschlands ist. Rücktritte, Anschuldigungen und Grabenkämpfe zeichnen aktuell das Bild der Sportgemeinschaft Dynamo. Dynamisch und sportlich: ja. Gemeinschaft: nein.

Die Lage zeigt, warum Dynamo sein riesiges Potenzial noch immer nicht ausnutzt. Der Verein steht sich schlicht oft selbst im Weg.

Alles begann am Sonntag vor einer Woche. Da sickerte durch, was später offiziell wurde: Das komplette Präsidium um den Präsidenten Andreas Ritter und drei weitere Führungskräfte des Vereins traten geschlossen zurück. Laut Bild und MDR schrieben die sechs Funktionäre in einem Brief von "Lügen, Diffamierungen und persönlichen Anfeindungen". Der "Friede" innerhalb der Sportgemeinschaft sei "ernsthaft bedroht".

Ritter war fast acht Jahre lang der Chef von Dynamo. Seit der Wiedervereinigung war kein Präsident länger im Amt als er. Vor allem die wirtschaftliche Sanierung des Clubs samt Rückzahlung der sogenannten Kölmel-Kredite zählen zu Ritters Erfolgen. Doch eigentlich hatte Ritter vor allem repräsentative Aufgaben. Das Sagen im Club haben andere.

Präsidium gegen Vereinsführung, Aufsichtsrat gegen Präsidium

"Das Präsidium ist laut Satzung von der rechtsgeschäftlichen Vertretung des Vereins ausgeschlossen. Der originäre Auftrag des Gremiums besteht in repräsentativen Aufgaben", machte der Verein nun noch einmal deutlich. Wohl auch um zu beruhigen. Die Botschaft: Der Club bleibt handlungsfähig.

"Klar ist, dass wir als Verein ohne Wenn und Aber große atmosphärische Herausforderungen vor uns haben", schrieb der Aufsichtsratsvorsitzende Jens Heinig. "Gerade wir als Gremienmitglieder haben eine Vorbildfunktion, wenn es darum geht, wie die Kultur des Miteinanders in unserem Verein aussehen soll und wie sie tagtäglich gelebt wird. Öffentliche Schuldzuweisungen bringen uns nicht weiter." In der Realität aber schießt das Präsidium gegen die Vereinsführung, der Aufsichtsrat gegen das Präsidium, und mittendrin steht die Fanszene um den K-Block.

Die hatte die Rücktritte wohl erst forciert. Bei dem Streit geht es wohl darum, dass sich Ralf Minge, der Geschäftsführer Sport, und Michael Born, der kaufmännische Geschäftsführer, nicht grün sind. Zudem haben sich Mitarbeiter der Geschäftsstelle offenbar in einem Brief über den Führungsstil von Born beschwert. Dieser Brief wurde an die aktiven Fans lanciert.