Die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein ist mit einer Beschwerde gegen den Internationalen Sportgerichtshof CAS wegen dessen angeblich fehlender Unabhängigkeit gescheitert. Auch die höchste Instanz, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, konnte beim CAS keinen Mangel an Unabhängigkeit und Unvoreingenommenheit erkennen (Beschwerdenummer 67474/10). Die höchsten Richter bestätigten insofern die Sportgerichtsbarkeit. Das Urteil bedeutet insofern, dass der CAS auch künftig Streitigkeiten zwischen Sportlerinnen und Sportlern, Vereinen und Verbänden behandeln kann.

Allerdings sprachen die Straßburger Richter der Eisschnellläuferin wegen Formfehlern 8.000 Euro Schadensersatz zu. Der CAS hatte ihr keine öffentliche Anhörung gewährt, worauf sie für ein faires Verfahren ein Recht gehabt hätte. 

Das Verfahren hatte bereits im Jahr 2009 begonnen. Damals hatte sich die fünfmalige Olympiasiegerin vor dem CAS gegen eine zweijährige Sperre wegen auffälliger Blutwerte beschwert. Pechstein führte an, dass sie nicht gedopt habe, sondern ihre Blutwerte wegen einer angeborenen Anomalie verändert gewesen seien. Das belegten auch Gutachten. Der CAS aber bestätigte die Strafe. Die Eisschnellläuferin fühlte sich ungerecht behandelt und legte nun wiederum Beschwerde gegen den CAS ein. Nicht nur sah sie ihr Recht auf ein faires Verfahren verletzt, sie argumentierte auch, der Internationale Sportgerichtshof sei nicht unabhängig und begründete dies mit der Art und Weise, wie die Richterernennung am CAS erfolge.

Tatsächlich gibt es immer wieder Kritik am CAS, der seinen Sitz in Lausanne in der Schweiz hat. Die Kritik zielt vor allem auf die Finanzierung der Institution durch Sportverbände ab.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte war letztlich für den Fall zuständig, weil er für Grundrechtsverletzungen aller Arten zuständig ist. Vor dem Gericht können Bürgerinnen und Bürger allerdings nur Beschwere gegen den Staat einreichen und sich dabei auf einen Verstoß gegen die Menschenrechtskonventionen berufen. Die 46-jährige Sportlerin hatte sich formal gegen die Schweiz beschwert, weil der CAS seinen Sitz im schweizerischen Lausanne hat.