Der Moment der größten Demütigung für die deutsche Mannschaft war nicht mal ein Tor. Memphis Depay, bester Spieler auf dem Feld, schloss in der Endphase des Spiels einen der vielen Konter ab und traf die Latte, dass es nur so schepperte. In diesem Moment verpasste er das 3:0, dennoch erlebte die Johan-Cruyff-Arena von Amsterdam eine holländische Ekstase. Das wirkliche 3:0 durch Georginio Gregion Emile Wijnaldum kurz darauf konnte nicht ganz mithalten, wenngleich es ebenfalls Jubelschreie lautester Art auslöste.

Die deutsche Nationalmannschaft ist, nein, vermutlich wähnt sie sich bloß auf Wiedergutmachungstour. Sie will beweisen, dass das WM-Vorrundenaus vom Sommer ein Ausrutscher war. Bei der 0:3-Niederlage in Holland schien sie jedoch eher zu bestätigen, dass die Blamage von Russland nicht aus einem Zufall resultierte, sondern vielmehr ihrem aktuellen Leistungsvermögen entsprach.

In Amsterdam erlitt der deutsche Fußball jedenfalls eine erneute Erniedrigung. Höher verlor eine deutsche Nationalmannschaft zuletzt 2001, beim 1:5 gegen England. Höher verlor eine deutsche Nationalmannschaft gegen die Niederlande nie. Obwohl die Oranje-Elf nicht zur Weltspitze zählt, nicht mal zur erweiterten, ja nicht mal in Russland dabei war.

Von wegen Neuanfang! Den hatte Joachim Löw vor einigen Wochen in Aussicht gestellt. Die ersten Spiele schienen ihm zumindest nicht Unrecht zu geben. Das 0:0 gegen den Weltmeister Frankreich war beachtlich, das 2:1 gegen Peru eher glücklich. Nach der Niederlage in Holland nun steht Deutschland in der Nations League auf dem dritten und letzten Platz, die deutsche Elf befindet sich im Abstiegskampf und viele Chancen, die Abstufung zu verhindern, hat sie nicht mehr.

Die neue deutsche Mittelmäßigkeit

In Amsterdam offenbarte sich die neue deutsche Mittelmäßigkeit. Der Sturm war lau, die Abwehr sprunghaft, das Mittelfeld verhätschelt. Technische Mängel in allen Teilen, Ungenauigkeiten, mäßiges Tempo.

Das bevorzugte deutsche Stilmittel der Anfangsphase war der Rückpass auf Manuel Neuer. Besonders Jonas Hector, immer auf der Suche nach der risikoarmen Lösung, tat sich damit hervor, in einer Szene gar zwei Mal nacheinander. So herzerwärmend das ist, dass er trotz dem Abstieg in Köln geblieben ist, aber vielleicht sollte Deutschland nicht mit Zweitligaprofis auflaufen.

Auch der andere Außenverteidiger, Matthias Ginter, war den Vorderleuten keine große Hilfe. Das ist nicht viel, was Deutschland auf dieser Position zu bieten hat. Zu allem Überfluss sprangen Mats Hummels und Manuel Neuer vor dem 0:1 unter dem Ball durch. Und Jérôme Boateng, einstiger Weltklasseverteidiger, präsentierte sich in unglaublich miserabler Form. In der Schlussphase des Spiels dehnte er seine Muskeln bei jeder Gelegenheit. Eigentlich müsste er vom Sport befreit sein. Beim Bund würde man ihm einen 5-Kilo-Schein verpassen. Den stellt der Truppenarzt den Soldaten mit Rücken- und anderen körperlichen Leiden aus. Beim 0:2 kam Boateng nicht hinterher, beim 0:3 grätschte er ins Leere.