Man nehme Bayern München auf der einen Seite und den SV Sandhausen auf der anderen: Die einen unternehmen im Sommer abwechselnd Reisen nach China oder in die USA, weil dort Millionen Menschen noch nicht wissen, wie gut sich ein rotes Trikot aus München anfühlt. Die anderen werden vom Autohaus Geisser gesponsert. Das sind die Welten, die in der Deutschen Fußball Liga (DFL), der Vereinigung der 36 Proficlubs, an einem Tisch sitzen.

Bisher lief das meist so, dass die reichsten an diesem Tisch die lautesten und bestimmenden waren. Als im März unter der Federführung von St. Pauli die Investorenschutzregel 50+1 erhalten blieb, sagte Bayerns enttäuschter Vorstand Karl-Heinz Rummenigge, St. Pauli sei nur ein Zweitligist, der noch nie im Europapokal gespielt habe. Was er meinte: Warum darf ein Zweitligist so viel mitbestimmen?

Nun legt der nächste Zweitligist nach. Union Berlin hat ein Diskussionspapier zur Zukunft des deutschen Fußballs veröffentlicht. Darin macht Union Vorschläge, wie der Profifußball künftig aussehen könnte. Es ist ein Grundsatzpapier, ein "Kurswechsel", und dafür sei es ein guter Moment, finden die Unioner.

Zumindest damit könnten sie recht haben. Der DFL steht eine grundlegende Reform ins Haus. Die Liga hat in den vergangenen Monaten Regionalkonferenzen in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München und Leipzig abgehalten, um mit den Vereinen über die Zukunft des Fußballs in Deutschland zu debattieren. Herausgekommen ist ein DFL-Papier, über das im Dezember abgestimmt werden soll.

TV-Gelder stufenlose an alle verteilen

Es geht ums Ganze. Wie soll der Fußball in Deutschland eigentlich aussehen? Dazu gibt es naturgemäß verschiedene Meinungen. St. Pauli schwebt die sozialste Liga der Welt vor, die Bayern hingegen sind vielleicht schon bald nicht mehr Teil dieser Liga, dafür aber Mitglied einer Weltliga der Luxusmarken. Und nun kommt Union. Was sind die Vorschläge wert? Ein Thesencheck:

Als erster Club fordert Union, dass die TV-Gelder stufenlos an alle verteilt werden. Bisher ist es so: Wer es ins internationale Geschäft schafft, sitzt an den Geldtöpfen. Die anderen, die den nationalen Ligabetrieb mit ermöglichen, werden mit Mini-Beträgen abgespeist. "Das zerstört den nationalen Wettbewerb, internationale Wettbewerbsfähigkeit wird so nicht hergestellt", schreibt Union. Das ist richtig und auch der Grund, warum diejenigen, die dort sind, nicht wieder wegwollen. Der Fußball verteilt seine Gelder eher von unten nach oben als andersrum, und darauf zielt Union zu Recht. Solche Änderungsvorschläge wurden bisher immer bekämpft. Vielleicht ändert sich das nun.

Wenig überraschend plädiert Union in seinem Papier auch für die Erhaltung der 50+1-Regel. Und es klingt auch so schön nach der guten alten zugigen Bierundstadionwurstzeit, wenn Union schreibt: "Die Vereine gehören moralisch den Menschen, die sie ausmachen." Umgelegt auf Borussia Dortmund hieße das aber zum Beispiel: "Borussia Dortmund GmbH & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien gehört moralisch den Menschen, die sie ausmachen." Das ist derzeit Evonik mit 14 Prozent der Stimmanteilen.