Wer spielte wie gegen wen?

Klarer Sieger Dortmund, auch in unserer Herzchenwertung. Ein bisschen überraschend, dass Bremen im Duell der Lieblinge Gladbach unterliegt.

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Dortmund gegen Bayern. Es war wohl das bewegendste und bedeutendste Bundesligaspiel seit den Duellen in der Hochphase der Klopp-Ära, wobei diese damals lange nicht so dramatisch waren wie dieser 3:2-Sieg. So was hat man lange nicht gesehen. Es war ein Abend, an dem klar wurde, dass in dieser Saison nicht schon wieder fünf Wochen vor Saisonende der Meister feststeht. Zumindest nicht, wenn er doch Bayern München heißen sollte. Nach sechs langen Jahren bayerischer Dauermeisterschaft wirkte der Sieg des BVB wie ein Stabwechsel, wie ein Tag der Befreiung vom großen Tyrannen. Die Stimmung im Westfalenstadion wäre mit euphorisch nicht annähernd angemessen beschrieben. Der BVB kann Meister werden.

Nun ist nicht mal ein Drittel der Saison vorbei. Man sollte die Schwächen des BVB nicht übersehen, in der ersten Halbzeit war sein Mittelfeld sauschlecht, auch Marco Reus war der Mannschaft keine Hilfe. Dortmund hat große Ausschläge nach unten und oben, oft sogar innerhalb eines Spiels. Und den FC Bayern muss man im Meisterkampf nicht abschreiben. Wer aber noch die Ohnmacht seiner Abwehr in der zweiten Halbzeit vor Augen hat, kann sich kaum vorstellen, dass der aktuelle Kader zur Größe der vergangenen Jahre zurückfinden wird. Viel Hoffnung macht auch nicht, dass Niko Kovać nach dem Spiel sagte, seine Mannschaft hätte mehr lange Bälle schlagen sollen, um die Niederlage zu vermeiden. So spricht eigentlich ein Trainer vom SC Freiburg, Mainz 05 oder, tja, Eintracht Frankfurt.

Ob der FC Bayern, der sicher eine gigantische Shoppingtour für 2019 schon jetzt einleiten wird, den siebten Titel hintereinander holt, ist vielleicht irgendwann in dieser Saison gar nicht mehr die Frage. Sondern: Wird Bayern überhaupt Zweiter? Oder erreicht Bayern überhaupt die Champions League? Gladbach, Leipzig, Frankfurt und Hoffenheim gibt's schließlich auch noch. Bayern ist zurzeit Fünfter – oder schonender formuliert: vierter Zweiter. Es lebe die neue Spannung, es lebe die freie Bundesliga.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Manchester gegen Manchester, City gegen United, Englands Meister gegen den Vizemeister, Pep Guardiola gegen José Mourinho. 3:1 siegte City, doch United hatte eigentlich keine Chance. Der einzige Torschuss resultierte aus einem Elfmeter. Mourinhos Elf, ohne den verletzten Paul Pogba angetreten, war so unterlegen, dass sich City vor dem letzten Treffer des Abends durch İlkay Gündoğan 44-mal den Ball zupassen konnte. Kein Gegner kam währenddessen an den Ball. Nach dieser einseitigen Partie steht United auf Rang 8 und man stellt sich die Frage: Liegt es eher am Trainer oder an der Mannschaft?

Wer stand im Blickpunkt?

Manuel Gräfe. Er erwies sich aus mehreren Gründen als würdiger Schiedsrichter des Spitzenspiels Borussia gegen Bayern. Er machte keine nennenswerten Fehler, fiel auch nicht auf Robert Lewandowskis Flugversuche rein, erkannte dank seiner Assistenten selbst Zentimeterabseits. Videogeschiss brauchte er nicht. Zudem entstanden Spielfluss und Tempo auch durch seine großzügige Auslegung von Foul, was übrigens alle meist fordern. Manche Zuschauerinnen und Zuschauer meckerten zwar zu Beginn der Partie, weil sie wohl anderes gewohnt sind. Aber als sie merkten, dass die lange Leine für alle galt, nicht mehr. Vor allem zeigte Gräfe durch seine moderne Spielleitung, warum er bei Spielern und Trainern als bester deutscher Schiri gilt. Autoritär trat er nur auf, wenn es sein musste, nie jedoch hochnäsig oder herrisch, stets kommunizierend. Seine Entscheidungen erläutert er, soweit möglich, manchmal auch dem Publikum durch Gesten. Alleine die Art, wie er eine gelbe Karte verhängt, macht es für die Spieler akzeptabel: Gräfe lässt sie nicht antanzen, sondern geht auf sie zu und gibt ihnen zu verstehen: Sorry, aber da hab ich keine Wahl. Es soll ja auch Schiris geben, die gerne andere strafen. Gräfe gehört nicht dazu, hat das nicht nötig.

Er bekam Lob von allen Seiten, nicht zum ersten Mal, aber so viel wie nie zuvor. Zur Erinnerung: Er war derjenige, der im großen deutschen Schiedsrichterstreit öffentlich über die Missstände, die Vettern- und Günstlingswirtschaft in der alten Führung sprach und dafür vom DFB vor einem Jahr mit einem Redeverbot bestraft und mit weiteren Sanktionen bedroht wurde.