Die Dortmunder Fans feierten auch nach dem Abpfiff genau drei Mal. Erst sangen sie ihren Klassiker "Wer wird Deutscher Meister? BVB Borussia!" nach der Melodie von Pippi Langstrumpf, während ihre schwarz-gelben Helden auf dem Rasen sprangen. Danach stimmten die Fünfundzwanzigtausend der Südtribüne einen der Hits ausgerechnet der Gegner an: "Wir sind aus München, wir sind die Bayern. Wir sind die, die immer wieder feiern." Das war ein nicht ganz so lieber Gruß an die Gästekurve.

Und dann ging eine Gruppe von sechs Männern quer über den inzwischen leeren Rasen. In Dortmund liegen die Medienräume gegenüber der Haupttribüne und so wechselten die Bosse der Bayern, angeführt von Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß, der mit rot-weißem Schal, die Seiten. Auf den Verliererbonus brauchten sie nicht zu hoffen, folglich bekamen sie ein mächtiges, gleichwohl lustvolles Pfeifkonzert.

Dortmund taumelte vor Glück an diesem Abend, überall selige Gesichter. An dieses Spiel, an diesen großen Fußballabend werden alle Beteiligten und Zeugen noch lange denken. Trotz zweimaligen Rückstands schlug der BVB die Bayern, auf spannende, betörende Art 3:2. Dadurch vergrößerte er den Vorsprung auf sieben Punkte und machte klar, dass er am Ende der Saison wohl vor den Bayern landen wird, zumindest nicht weiter hinter ihnen.

45 Minuten ohne Mittelfeld

In der ersten Halbzeit sah es noch nicht nach einem Dortmunder Happy End aus. Wer sich gefragt hatte, ob die Bayern das Tempo der Dortmunder Stürmer und Dränger mitgehen können, musste feststellen, dass die Alten Herren es noch einmal wissen wollten. Mit guter Raumaufteilung, überlegen am Ball, das Zentrum beherrschend, ließen sie die BVB-Spieler wie Anfänger aussehen. Franck Ribéry, 35, kam einige Male in den Strafraum. Serge Gnabry setzte die BVB-Abwehr unter Druck. Und als Robert Lewandowski mal nicht zu Boden fiel, köpfte er sein Team in Führung. Auf der Tribüne sprang Uli Hoeneß auf.

Dortmund stand oft hinten drin und spielte 45 Minuten lang praktisch ohne Mittelfeld. Wobei die Aufstellung Lucien Favres verwunderte, er schickte Julian Weigl und Mario Götze aufs Feld, aber nicht den Torjäger Paco Alcácer. "Sie fragten mich, warum Götze nicht spielt", sagte Favre in humorvollem Ton vor dem Anpfiff, "jetzt fragen Sie mich, warum Götze spielt." Nach dieser Partie, in der Götze nicht viel bewirkte, ist wahrscheinlicher, dass er künftig seltener nach Götze gefragt wird.

Noch mehr Staunen verursachte die Entscheidung für Weigl, der in dieser Saison nicht oft zum Zuge gekommen war. Er verlor fast immer den Ball, gewann ihn aber so gut wie nie. Nicht mal seine Querpässe kamen an. Dass Favre ihn nicht schon während der ersten Halbzeit rausnahm, war höflich. Bayern führte verdient gegen recht mittellose Dortmunder.

Doch in der zweiten Halbzeit wurde vieles anders, auch weil Favre Mahmoud Dahoud für Weigl aufs Feld schickte, der den Ball auch mal nach vorn passte, und später Alcácer für Götze. Es war noch nicht lange gespielt, da hechtete Manuel Neuer in Marco Reus. Der Keeper zog zwar die Hände weg, ließ aber den Stürmer in seine Brust rennen. Später diskutierten manche über den Elfmeterpfiff (der korrekt war), aber nicht über Neuers Fehler beim Rauslaufen. "Ich hab nicht damit gerechnet", sagte Reus, "dass ich an den Ball komme." So zögerlich kannte man Neuer gar nicht.

Folgte dem Ausgleich der Sturmlauf des BVB, wie so oft in dieser Saison? Erst mal nicht. Erst mal legten die Bayern wieder vor. Ihr bester, weil präzisester Angriff des Spiels, führte über Thomas Müller, Serge Gnabry, Joshua Kimmich und Robert Lewandowski zum 1:2.