Man musste sich schon über einige Geschäfte von Fußballbossen wie Sepp Blatter, Jack Warner oder Chuck Blazer aufregen. Viele von ihnen waren korrupt bis in die Zehenspitzen. Aber Gianni Infantino toppt sie alle. Wenn es stimmt, was die Süddeutsche Zeitung herausgefunden hat, will der Fifa-Chef alles, was sein Weltverband darf und ihn ausmacht, an ein Privatunternehmen verkaufen.

Fünfundzwanzig Milliarden Dollar. In Zahlen: 25.000.000.000. Das ist angeblich der Preis, den Infantino mit dem internationalen Konsortium verhandelt hat – und das ist natürlich sehr viel Geld. Dennoch darf sich der Fußball nie auf diesen Deal, der in internen Papieren "Project Trophy" heißt, einlassen. Denn im Gegenzug würde die Fifa alle wichtigen Rechte veräußern, etwa die Videospielrechte, das Bildarchiv und sogar die Vergabe von Weltmeisterschaften.

Über Uli Hoeneß sagte einmal ein ehemaliger Mitspieler, der verkaufe, wenn es sein müsse, auch seine Großmutter. Über Infantino muss man demnach sagen: Der verkauft auch seine Kinder.

An Infantino selbst ist selbstverständlich beim Project Trophy auch gedacht. Für ihn ist der Posten des Aufsichtsratschefs vorgesehen, was praktischerweise den Vorteil hätte, dass er sich demokratischen Prozedere entziehen kann. Dreister geht es nicht.

Dieser Masterplan passt zu den Machenschaften des Schweizers, der vor zweieinhalb Jahren seinen Landsmann Blatter ablöste, um angeblich die Fußballweltpolitik zu reformieren. Sauberer, transparenter und fairer sollte es werden. Es war ein falsches Versprechen. Bei erster Gelegenheit räumte er zwei kritische Fifa-Ethiker aus dem Weg, dann den achtsamen Verantwortlichen für Good Governance. Inzwischen sehnt man sich beinahe nach Sepp Blatter, der am Ende seiner Amtszeit Reformen anstieß, wenn auch nicht aus Überzeugung, sondern eher auf externen Druck hin.

Kürzlich hatten der Spiegel und der NDR recherchiert, dass Infantino noch zu seiner Zeit als Uefa-Generalsekretär zwei superreichen Vereinen dabei half, die Regeln des Verbands zu umgehen. Zuletzt ließ Infantino die Hausjuristen der Fifa ihre Büros räumen, innerhalb weniger Stunden, versteht sich. Die hatten sich Project Trophy genauer angesehen und die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Strafverfahren wegen Untreue?

Der Schweizer Antikorruptionsexperte Mark Pieth, der die Fifa-Reform einmal anführte, sagt zu dem ganzen Vorgang: "Jemand höhlt ein Unternehmen, das er zu führen hat, finanziell aus, um sich selber zum Chef des Unternehmens zu machen, wo die ganzen Finanzen hingehen. Da riskiere ich ein Strafverfahren wegen Untreue."

Zu Recht distanziert sich die Uefa, darunter der DFB, zunehmend von Infantino. Sie verlangt von ihm, endlich die Pläne des Ausverkaufs offenzulegen. Steckt hinter den Investoren, mit denen er verhandelt, tatsächlich Saudi-Arabien, also ein Regime, dem gerade von der gesamten Weltöffentlichkeit vorgeworfen wird, den Mord eines Journalisten beauftragt zu haben? Infantino, dem Superbösewicht, dem Blofeld des Fußballs, wäre es zuzutrauen.

Infantino darf damit nicht durchkommen. Man sollte den Fußball vor ihm schützen und, ja, die Fifa vor ihm retten. Im kommenden Juni stellt er sich zur Wiederwahl. Spätestens dann muss Infantino weg.