Die Einführung einer Superliga als Konkurrenz zur Champions League wird laut einem Medienbericht wieder konkreter. Eine Beraterfirma soll Real Madrid im Oktober entsprechende Pläne vorgelegt haben, berichtet der Spiegel. Demnach sei vorgesehen, dass 16 Topclubs, darunter die Bundesligisten FC Bayern München und Borussia Dortmund, eine Absichtserklärung im Laufe dieses Monats unterzeichnen.

Sollten die Pläne umgesetzt werden, wäre das 2021 das Aus für die Champions League, die der europäische Fußballverband Uefa austrägt. Die Superliga würde nach diesen Vorstellungen privatwirtschaftlich und damit außerhalb der bestehenden Verbände organisiert werden.

Dem Bericht zufolge ließ der FC Bayern in dem Zusammenhang verschiedene Szenarien prüfen, unter anderem, ob der Verein dazu aus der Bundesliga aussteigen könnte. Und ob ein Verein der neu geschaffenen Liga Spieler für Nationalmannschaften abstellen müsste. In Person seines Chefjustiziars Michael Gerlinger soll der Verein von einer Anwaltskanzlei prüfen haben lassen, ob die Münchner nicht nur aus den europäischen Wettbewerben, sondern auch aus der Bundesliga aussteigen könnten.

Durch die folgende Reform der Champions League, die den vier stärksten Ligen jeweils vier Startplätze für die Gruppenphase sichert, sei eine Superliga zum damaligen Zeitpunkt kein Thema mehr gewesen. Gerlinger sagte dem Spiegel, dass Gedankenspiele zum Ausstieg aus der Bundesliga schnell "völlig vom Tisch" gewesen seien.

Laut Bayern und BVB sind Pläne nicht aktuell

BVB-Chef Hans-Joachim Watzke versprach: "Solange ich hier die Verantwortung trage, wird der BVB die Bundesliga nicht verlassen." Dass es aber aktuelle Gespräche über die Superliga gebe, "das ist klar, und ich glaube auch, dass ein paar der großen Clubs Europas da deutlich dran stricken". Allerdings seien diese Pläne wohl "noch nicht sehr konkret". 

Der FC Bayern München hat auf den Bericht mit einem Bekenntnis zur Bundesliga und zu den bestehenden Europapokalwettbewerben reagiert. "Der FC Bayern München steht zu seiner Mitgliedschaft in der Fußball-Bundesliga und, solange ich Vorstandsvorsitzender des FC Bayern bin, auch zu den von Uefa und ECA gemeinsam organisierten Clubwettbewerben", teilte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge mit. Die Pläne für eine Superliga seien dem FC Bayern weder bekannt, noch habe der FC Bayern an Verhandlungen hierzu teilgenommen, hieß es in einer Mitteilung des Vereins.

Rummenigge hatte zuletzt im Interview des Magazins 11 Freunde gesagt, dass er in ferner Zukunft mit der Einführung einer europäischen Superliga rechne: "Ich vermute, dass diese Liga eines Tages kommen wird. Aber fragen Sie mich nicht, wann."

Zu den 16 Clubs, die laut Spiegel von 2021 an in einer Superliga spielen könnten, gehören neben dem FC Bayern auch Real Madrid, der FC Barcelona, Manchester United, FC Chelsea, FC Arsenal, Manchester City, FC Liverpool, Paris Saint-Germain, Juventus Turin und AC Mailand als Gründer, die nicht absteigen können. Dazu kämen zunächst Atlético Madrid, Borussia Dortmund, Olympique Marseille, Inter Mailand und AS Rom als "anfängliche Gäste". Im Gespräch ist auch eine zweite Liga, in die nur diese Gäste absteigen könnten.

Hintergrund der Planspiele ist, dass im kommenden Jahr die Gelder aus der Champions League von 2021 an neu verteilt werden. Derzeit schüttet die Uefa jährlich Prämien von zwei Milliarden an die Clubs der Champions League aus, die erfolgreichsten Vereine bekommen bis zu 100 Millionen Euro. Die Idee, dass sich die Topclubs in einer eigenen Liga organisieren, um deutlich höhere Einnahmen zu erzielen, gibt es bereits seit einigen Jahrzehnten. 

Vor knapp drei Jahren waren dem Bericht zufolge die Pläne schon weiter, mit denen die Topvereine aus den bestehenden Ligen aussteigen könnten. Auch damals standen Verhandlungen über die Ausschüttungen der Champions League an. Die im Jahr 2016 diskutierte Liga sollte mit Spielen dienstags, mittwochs und samstags über 34 Wochen laufen. Damals wurde auch der FC Schalke 04 als möglicher Teilnehmer an der Superliga genannt.

Gianni Infantino und die Financial-Fair-Play-Regeln

Der Spiegel berichtet außerdem über Fehlverhalten des Präsidenten des Weltfußballverbands Fifa, Gianni Infantino. Dieser habe "einen befreundeten Oberstaatsanwalt begünstigt, der potenziell gegen ihn ermitteln könnte". Er habe das Statut der Ethikkommission der Fifa zu seinen Gunsten beeinflusst und Druck auf diejenigen ausgeübt, die ihn hätten kontrollieren sollen. Für das Fifa-Projekt Trophy habe Infantino unangemessen viel Geld ausgegeben. Er habe dafür gesorgt, dass Geld wider die Fifa-Regeln frühzeitig an Verbände ausgezahlt wurde.

Zudem habe Infantino schon in seiner Zeit als Generalsekretär der Uefa Regeln gebrochen. Obwohl die Vereine Manchester City und Paris Saint-Germain über Jahre gegen die Financial-Fair-Play-Regeln verstoßen hätten, habe er die Clubs nicht bestraft und die Uefa-Kontrolleure "systematisch" hintergangen.

Die Berichterstattung des Spiegels ist das Ergebnis von Recherchen der Enthüllungsplattform Football Leaks, die dem Magazin und seinen Partnern des Recherchenetzwerks European Investigative Collaborations vorliegen.