Fifa-Präsident Gianni Infantino drängt den Vorstand des Fußballweltverbandes laut Medienberichten dazu, zwei neue Turnierformate zu schaffen: eine Weltliga für Nationalteams und eine auf 24 Mannschaften erweiterte Club-WM. Das geht aus Dokumenten hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen und die gemeinsam mit dem WDR ausgewertet wurden. Im Gegenzug für die Vermarktung dieser Turniere würden Investoren 25 Milliarden US-Dollar für zwölf Jahre anbieten. Bisher wehre sich jedoch der Fifa-Vorstand dagegen.

Geplant ist laut einer geheimen Absichtserklärung außerdem der Ausverkauf fast sämtlicher Rechte der Fifa: Digital- und Archivrechte, Filme und Videos, Satelliten- und Netzübertragungen, Merchandising und Spielrechte, Rechte für Computerspiele und alles "Virtuelle und jedes andere Format, das noch weltweit entwickelt wird". Dazu gehörten auch die Rechte an zukünftigen Fußballweltmeisterschaften, hieß es.

Würde der Ende März ausgearbeitete Plan umgesetzt, hätte laut SZ und WDR in Zukunft ein Finanzkonsortium die Kontrolle über die Vermarktung des Weltfußballs. Bei den geplanten neuen Partnern der Fifa handelt es sich demnach um den britischen Investmentberater SBIA und die in London ansässige Investmentfirma Centricus Partners LP. SBIA ist eine 100-prozentige Tochter des japanischen Technikkonzerns SoftBank, der den Berichten zufolge enge Kontakte zu Saudi-Arabien unterhält. Centricus wiederum hat demnach Anbindung an die großen Privatfonds der Welt, insbesondere an SoftBank und saudische Anleger. Das legt SZ und WDR zufolge den Verdacht nahe, dass auch geopolitische Motive hinter dem Angebot stecken. Wesentliche Entscheidungen könnten in Zukunft unter Mitwirkung Saudi-Arabiens gefällt werden, bis hin zu der Frage, wo künftige Fußballweltmeisterschaften stattfinden.

Die Fifa teilte SZ und WDR auf Anfrage mit, dass das Dokument veraltet sei – und nur eines von vielen, die im Verband in Umlauf seien. Gegen diese Darstellung spricht den Medien zufolge, dass der langjährige Hausjurist des Verbandes, Marco Villiger, und sein Stellvertreter, Jörg Vollmüller, in einer internen Analyse der Pläne vor deren Umsetzung warnten. Der Plan berge für die Fifa erhebliche Risiken und Nachteile, hieß es darin. Beide Juristen haben den Verband inzwischen verlassen.

Infantino, der 2016 mit dem Versprechen angetreten war, die Fifa nach der Ära Sepp Blatter moralisch zu erneuern, muss nach zahlreichen Affären befürchten, 2019 nicht im Amt bestätigt zu werden. Sollte der in den Dokumenten geschilderte Plan umgesetzt werden, würde Infantino der Posten des Aufsichtsratschefs zustehen.