Reinhard Grindel hat recht. Nicht erst seit gestern ist der DFB-Präsident ein Kritiker des Fifa-Chefs Gianni Infantino: Die beiden schrieben sich schon böse Briefe. Nach den jüngsten Enthüllungen des Spiegels und des NDR, nach denen Infantino zu seiner Zeit als Uefa-Generalsekretär Manchester City und Paris Saint-Germain geholfen hat, die Financial-Fairplay-Regel zu umgehen, gibt Grindel zu verstehen, dass sich die Uefa das Verhalten Infantinos noch mal genauer anschauen werde.

Beide Vereine hätten gesperrt gehört, weil sie von ihren Investoren mit etwa je einer Milliarde Euro aufgepumpt werden, was Financial Fairplay unter anderem unterbinden soll. Man kann diese Regel unpraktikabel oder sogar falsch finden, aber Regeln sollten für alle gelten.

Infantino unterstützte lieber die Superreichen beim Tricksen. Und so waren die Ehrlichen die Dummen: Vereine wie der SSC Neapel, Tottenham Hotspurs oder Schalke 04, Lazio Rom, Bayern München oder der FC Barcelona. Eigentlich alle.

Gianni Infantino ist bei der Fifa angetreten, um einiges anders zu machen als sein Vorgänger Sepp Blatter. In gewisser Weise, könnte man spätestens nach Lektüre der Football Leaks sagen, ist ihm das gelungen. Es ist noch schlimmer geworden. Infantino regiert alleine, bricht Regeln, seine Vergangenheit in der Uefa belastet ihn.

Nach gigantischen Skandalen musste Blatter im Jahr 2015 zurücktreten. Seit Februar 2016 ist Infantino, den Fans bis dahin nur als bühnenerprobte Europapokallosfee kannten, sein Nachfolger. Er versprach neue Integrität und Moral. Schon damals meinten viele Expertinnen und Experten, Infantino, der Verbündete des suspendierten Uefa-Präsidenten Michel Platini, sei der falsche Mann, um die Fifa zu reformieren. Die Befürchtungen haben sich bestätigt, mindestens.

Zwar ließ Infantino als Erstes die Satzung umschreiben: Der Präsident, also er, soll demnach keine operativen Befugnisse mehr haben. Zweieinhalb Jahre später kann man seine Amtszeit als permanenten Satzungsverstoß beschreiben. Seine neue Generalsekretärin, die Senegalesin Fatma Samoura, die eigentlich die Geschäfte leiten sollte, hat nicht viel zu sagen. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, Infantino habe sie ausgewählt, weil sie keinerlei Erfahrung im Profifußball hatte.

Es war Infantino, der eine Klub-Weltmeisterschaft gründen und für 25 Milliarden Dollar an Investoren verkaufen wollte oder will. Wer die potenziellen Geldgeber sind, verrät Infantino nicht mal den Fifa-Gremien. Noch ein Beispiel für seinen fraglichen Führungsstil: Die Präsidentenwahl des afrikanischen Kontinentalverbands 2016 soll er unzulässigerweise beeinflusst haben, wofür es einige gute Indizien gibt.

Dagegen ermittelte sogar der Schweizer Cornel Borbély, einer der zwei damaligen Ethikchefs der Fifa. Auch der andere, der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert, agierte unabhängig vom Fifa-Boss. Also setzte Infantino die beiden, die auch namhafte Leute sanktionierten, etwa den "Ehrenmann" Beckenbauer, im Jahr 2017 ab und ersetzte sie durch seine Leute. Der Kongress fand in Bahrain statt. Orte, wo es wenige kritische Journalisten gibt und wohin wenige reisen, schätzt Infantino sehr. Zuletzt gab er eine Pressekonferenz in Ruanda.