Seit dem 22. November 2013 ist Magnus Carlsen Schachweltmeister, und nicht erst seit diesem Tag stellt sein Sport das norwegische Fernsehen vor Darstellungsprobleme. Was gibt so ein Schachbrett optisch her über die Jahre? Vogelperspektive, von der Seite draufhalten, über die Schulter, viel mehr ist nicht drin. Eine Helmkamera wäre noch mal was, wenn es beim Schach denn Helme gäbe.

In London findet der staatliche Sender NRK frische Bilder auf der Straße. Das Kamerateam stellt Espen Agdestein, Carlsens Manager, auf eine Verkehrsinsel vor dem Gebäude, in dem gespielt wird. Die Fußgängerampel springt von rot auf grün auf rot; vorbei knattern die Pizzavespas, schnaufen die Busse: Was geht bei dieser WM, und wer geht am Ende als Sieger?

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Das Fernsehen wüsste das gern. Alle wüssten das gern. Wie schön, dass wir es nicht wissen. Der dreiwöchige Kampf ist allemal gut gestartet. Herausforderer Fabiano Caruana hat sich nach anfänglichem Schwanken gefangen und macht den Eindruck, dass er sein Gegenüber nicht fürchtet. Die dritte Partie, die an diesem Montag gespielt wird, beginnt er mit denselben Zügen wie die erste Partie, die er um ein Haar verloren hätte. Er muss also Verbesserungen vorbereitet haben. Irgendwann später wird er abweichen.

Carlsen bleibt selbstbewusst bei seiner Wahl, die zur Rossolimo-Variante der Sizilianischen Partie führt – mehr Italienisch geht kaum, wenn einem ein in den USA geborener (und somit amerikanisierter) Italiener wie Fabiano Caruana gegenübersitzt.

Die dritte Partie zum Nachspielen

Der Wiener Schachreporter Anatol Vitouch hat für den Standard recherchiert, dass der Erfinder und Namenspatron dieser Zugfolge,  Nicolas Rossolimo, ein schachspielender Lebenskünstler war, der sich in New York als Taxifahrer und Hotelpage über Wasser hielt und in den 1950er Jahren just jenes legendäre Chess Studio im Greenwich Village gründete, in dem Fabiano Caruana Jahrzehnte später seine ersten Lektionen bekam.

Italiener war Nikolai Spirodonowitsch Rossolimo allerdings nicht. Als Sohn griechisch-russischer Eltern kam er 1910 in Kiew zur Welt. 1947 wurde er dann Franzose, um die Sache so richtig unübersichtlich zu machen. Das Leben kann bisweilen noch komplizierter sein als eine Partie Schach.