Englisch also! Magnus Carlsen versucht eine neue Eröffnung, um "Fabi", wie Caruana in London bei den Pressekonferenzen inzwischen auch von ihm genannt wird, endlich eins überzugeben. Englisch, das ist der Doppelschritt des Damenläuferbauern als erster Zug von Weiß, 1. c2 – c4. Eine eher ruhige Art, eine Schachpartie zu beginnen, weniger forciert als ein Zug mit dem Damenbauern oder gar mit dem Königsbauern, aber deswegen doch nicht ungiftig. Heißt Englisch, weil englische Meister einst mal damit angefangen haben.

Nun hat Schach ja nicht nur diese langwellige, bis ins Jetzt lappende Vergangenheit, es hat auch Gegenwart und die ihr eigene globale Plötzlichkeit. Am Dienstagfrüh, so gegen halb sieben, geht ein mehrminütiges Video ins Netz, das für den Herausforderer werben soll, gedreht im Sommer im Trainingscamp in einer Villa des amerikanischen Milliardärs und Schachmäzens Rex Sinquefield. Man sieht Fabiano Caruana mit unrasiertem Spitzbärtchen in opulenten Räumen. Mal konzentriert am Tisch sitzend, mal mit Freunden scherzend, mal Schachfiguren schiebend. Sogar mit freiem Oberkörper beim Basketball zeigt er sich, ein Gruß hinüber nach Norwegen, wo Magnus Carlsen gern die Bauchmuskeln spielen lässt.

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Man sieht auch seinen Coach Rustam Kasimdschanow, unter Schachspielern weltweit respektiert ob seiner offenbar unerschöpflichen Fähigkeit, neue gefährliche Eröffnungsvarianten auszutüfteln.

En passant ist ein Schachbuch zu sehen, das vom WM-Kampf 2016 handelt, Karjakin gegen Carlsen, und bei einem Kameraschwenk durch die bunte Trainingsszenerie gerät kurz ein Computerbildschirm ins Bild. So kann selbst der ungeübteste Schachfan erkennen: Sein Idol greift nicht nur zu Gedrucktem, er weiß auch die Elektronik für seine Zwecke zu nutzen.

Alles schön und gut, bloß hat gleich irgendwer das Video angehalten, und siehe da: Auf dem Schirm ist zu sehen, mit welchen Varianten sich der Herausforderer beschäftigt. Da sieht man Abspiele der Russischen Verteidigung, Grünfeld und auch jenes Orthodoxe Damengambit, das in der zweiten Runde in London tatsächlich aufs Brett kam.

Schnell ist ein Screenshot gefertigt, und noch schneller bahnt sich der seinen Weg um die Welt. Da nützt es wenig, dass das Video nach einer knappen Stunde schon wieder aus dem Netz verschwindet.