Zur Verblüffung der Duellanten und des Publikums erschien Magnus Carlsens einstiger Herausforderer Sergej Karjakin am Samstag bei der Schach-WM in London. Er war allerbester Laune. Fast mochte man glauben, er sei froh, hier nur einen Zug machen zu müssen: den Eröffnungszug der vorletzten Runde.

ZEIT ONLINE: Sergej, wer hat Sie eingeladen?

Sergej Karjakin: Nun, das war keine Frage der Einladung. Dieses Match ist sehr besonders, Ich kenne die Spieler sehr gut. Ich wollte einfach hier sein, das sehen. Ich bin sehr neugierig.

ZEIT ONLINE: Wie haben die Spieler reagiert, als Sie plötzlich auf der Bühne standen, um den ersten Zug auszuführen?

Karjakin: Magnus hat gelacht. Er war guter Stimmung. Ich sagte ihm dann, er habe auf Twitter seine Fans ja um Rat gefragt, wie er das Spiel eröffnen solle. Deswegen habe ich den Zug 1. b2 – b4 gemacht. Das war mein Rat.

Der Eröffnungszug 1. b2 – b4, dem Weltmeister zur elften Runde empfohlen und für ihn gleich ausgeführt von Sergej Karjakin. © chess24.com

ZEIT ONLINE: Er hat den Zug dann gleich wieder zurückgenommen. Wie hat Fabiano reagiert?

Karjakin: Er war ernster als Magnus.

ZEIT ONLINE: Wie ist es für Sie, hier zu sein? Vor zwei Jahren haben Sie gegen Magnus um den Titel gekämpft.

Karjakin: Das war etwas sehr, sehr Besonderes. Aber jetzt bin ich auch aufgeregt. Ich war auf allen Weltmeisterschaften seit Anand gegen Gelfand in Moskau 2012. Ich möchte diese hier nicht verpassen. Deshalb bin ich gekommen.

ZEIT ONLINE: Was denken Sie über das Match soweit?

Karjakin: Beide Spieler sind nervös, weil so viel auf dem Spiel steht. Ein Zug, ein Fehler kann entscheidend sein. Deshalb wandeln sie nicht jeden Vorteil um.

ZEIT ONLINE: Die zehnte Partie war sehr kompliziert und wurde allgemein sehr gepriesen. Da wurden kaum Fehler gemacht.

Karjakin: Das war die beste Partie dieser WM und überhaupt dieser beiden Spieler gegeneinander. Ich habe sie sehr genossen, als ich sie für das russische Fernsehen kommentierte. Das Komische ist, dass Magnus mit Schwarz so scharf spielt und mit Weiß so supersolide. Es hätte mehr Sinn andersherum: mit Weiß etwas zu versuchen und mit Schwarz auf Remis zu spielen. Ich verstehe die Logik dahinter nicht, aber er tut, was er tut.

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ZEIT ONLINE: Was erwarten Sie von der letzten Partie am Montag?

Karjakin: Fabiano muss kämpfen. Denn wenn es zum Stechen mit erst Schnellschach- und dann Blitzpartien kommt, ist er nicht der Favorit. In einer langsamen Partie mit Weiß, vorbereitet von seinen guten Sekundanten, kann er einen großen Kampf liefern. Gut, wenn es wieder ein Remis wird, muss er das akzeptieren. Ich sage nicht, dass er einen Turm opfern soll oder so. Er müsste in der zwölften Runde mehr zeigen, als Magnus in der elften Runde gezeigt hat.