Der Fußball-Weltverband Fifa hat mit Kritik auf Berichte über die angebliche Einflussnahme von Präsident Gianni Infantino auf den Ethikcode des Verbands reagiert. Es sei nicht verwunderlich, dass diejenigen Funktionäre, "die entfernt oder ersetzt wurden oder unzufrieden sind, weiterhin falsche Gerüchte und Anspielungen über die neue Führung verbreiten", hieß es in einer Mitteilung der Fifa. "Wir sind uns bewusst, dass es Menschen gibt, die aus Frustration die Fifa aus eigennützigen Gründen untergraben möchten."

Der Spiegel hatte am Freitag nach Recherchen der Enthüllungsplattform Football Leaks über ein mögliches Fehlverhalten des Fifa-Chefs berichtet: Infantino habe "einen befreundeten Oberstaatsanwalt begünstigt, der potenziell gegen ihn ermitteln könnte". Er soll das Statut der Ethikkommission der Fifa zu seinen Gunsten beeinflusst und Druck auf diejenigen ausgeübt haben, die ihn kontrollieren sollten.

Konkret habe Infantino auf einen Entwurf des Anwalts Vasilios Skouris, der seit 2017 Vorsitzender der rechtsprechenden Fifa-Ethikkammer ist, mit mehreren Hinweisen geantwortet. Voruntersuchungen gegen Funktionäre dürften jedoch nur auf Weisung der vorsitzenden Person der Ermittlungskammer durchgeführt werden. 

Des Weiteren soll Infantino nach Spiegel-Informationen unangemessen viel Geld für das Fifa-Projekt Trophy ausgegeben haben. Er habe zudem dafür gesorgt, dass Geld frühzeitig an Verbände ausgezahlt wurde – entgegen den geltenden Fifa-Regeln. Schon in seiner Zeit als Generalsekretär der Uefa soll Infantino Regeln gebrochen haben: Obwohl die Vereine Manchester City und Paris Saint-Germain über Jahre gegen die Financial-Fair-Play-Regeln verstoßen hätten, habe er die Clubs nicht bestraft und die Uefa-Kontrolleure systematisch hintergangen.

In ihrer Stellungnahme ging die Fifa nicht direkt auf die Vorwürfe gegen ihren Präsidenten ein. In dem Schreiben hieß es lediglich, keiner der Berichte enthalte irgendetwas, "das auf eine Verletzung von Gesetzen, Statuten oder Vorschriften hinausläuft".