Bescherung in der Bundesliga

Wer spielt wann gegen wen?

Wann, wenn nicht jetzt, in dieser ach christlichen Zeit, werden Sie Herzchen verschenken, liebe Leserinnen und Leser? Tun Sie es reichlich und von Herzen.

Welches Spiel dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?

Dortmund gegen Gladbach (Freitag, 20.30 Uhr, live im ZDF) und Frankfurt gegen Bayern. Und es begab sich, dass am letzten Spieltag der Hinrunde vier der besten fünf Teams aufeinandertreffen sollten. Zwar scheinen sie alle im Vorweihnachtsstress. Die Bayern kickten diese Woche beim Sieg gegen Leipzig rum, als säßen sie gedanklich schon unterm Tannenbaum. Gladbach zündete beim Klappersieg gegen Nürnberg nicht viele Kerzen an. Die Frankfurter hatten in ihrem Punsch wohl stets einen Schuss, sie gewannen drei der letzten vier Spiele nicht. Und die Dortmunder spielten bei der Niederlage in Düsseldorf, als trügen sie schwere Stiefel und einen dicken Sack auf dem Rücken. Aber das ist ja das Schöne in dieser Saison: Sie ist unberechenbar.

Beim BVB fallen die wichtigsten Abwehrspieler aus, bei der anderen Borussia fehlen hinten, in der Mitte und vorne ein paar etablierte Kräfte. Und der Eintracht ist die Übermacht der Bayern schon lange nicht mehr heilig. In Frankfurt hat man für das Revival des Pokalfinales (3:1), wahlweise auch die Revanche für das 0:5 im Supercup oder das Wiedersehen mit Niko Kovač, der in Hessen bei seinem Wechsel nach München ein paar Sympathien verspielte, die Rute dabei. Die Bayern hingegen hoffen nicht zu Unrecht darauf, dass der BVB wenigstens in der Rückrunde öfter verlieren wird als in der Hinrunde. Dieser letzte Spieltag hat also ein paar Gaben für uns Fußballkinder, doch möge er nur ein Vorgeschmack auf den 18. Mai sein, wenn die Saison hoffentlich in einem großen Finale zu Ende gehen und die Meisterschaft erst am 34. Spieltag entschieden wird, am liebsten zwischen drei, vier oder fünf Mannschaften. An der Spitze der Bundesligatabelle geht es zurzeit zu wie in Bethlehems Stall, da ist sogar für Ochs und Esel Platz.

Welches Spiel können Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Augsburg gegen Wolfsburg und Hoffenheim gegen Mainz. Fußball am 23. Dezember – ohne uns. Wir entstauben an diesem Sonntag den Schwibbogen, holen die Kugeln aus dem Speicher und Süßes gibt es auch:

Union Berlin spielt am Sonntag um 13.30 Uhr in Aue. Anschließend werden Fans und Mannschaft nach Hause rasen, da findet abends das jährliche Adventssingen statt. Die Alte Försterei ist wieder ausverkauft.

Wer steht im Blickpunkt?

Heiko Herrlich. Ist das Spiel gegen Hertha für ihn das Last Christmas unterm Bayer-Kreuz? Welchem Stern folgt Rudi Völler? Was Leverkusens Nikolaus zu sagen hatte, klang jedenfalls nicht so, als wäre sein Trainer immer brav gewesen. Völler kündigte an, man werde sich bald zusammensetzen. Bedrohlicher die Glocken nie klingen. Beisammensein in diesen festlichen Tagen ist an und für sich ja was Schönes, doch in manchen Familien ... müssen wir den Satz zu Ende schreiben? 

Jetzt alle im Chor, bitte: But the very next day ...

Hat das Christkind was für Nürnberg dabei?

Worüber werden nach dem Spieltag alle reden?

Den Abstiegskampf. Nicht nur die Teams von oben treffen sich an diesem Spieltag, auch die Jungs aus dem Süden der Tabelle feiern zusammen die schöne Adventszeit. Sechs der letzten sieben spielen gegeneinander. Der VfB Stuttgart, das Team, das am häufigsten verlor, empfängt Schalke, das Team, das am meisten enttäuschte. Markus Weinzierl wird den Baum seines Ex-Vereins sicher nicht mit Lametta schmücken. Hannover 96, eines der beiden Teams mit den wenigsten Punkten und Siegen, hofft auf eine Bescherung bei der Begegnung mit dem formstarken Aufsteiger Düsseldorf, der seinen dritten Sieg in Serie anstrebt. Und mal sehen, ob das Christkind etwas für den Tabellenletzten Nürnberg dabei hat, das Team mit den meisten Gegentoren, das den SC Freiburg in Windeln wickeln, in eine Krippe legen und in die Abstiegszone reinziehen will.

Was machen die Frauen?

In diesen Tagen ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass das Portal Players' Tribune die Erinnerungen von Profisportlern nimmt und sie zu einer echten Story verwebt, mit Twists und szenischem Einstieg und all dem Mediengetue, was jetzt gerade zu Recht unter Beschuss steht. Ein aktueller Beitrag jedoch ist empfehlenswert, er arbeitet die Geschichte der Norwegerin Ada Hegerberg auf, der 23-jährigen Gewinnerin des Ballon d’Or. Sie schreibt darin über die Nacht der Preisverleihung, als der Moderator Martin Solveig sie bat zu twerken: "Alles war perfekt. Ich sah ins Publikum und erkannte so viele tolle Fußballer. Was für ein unglaublich schöner Moment. Ich lasse ihn mir nicht von einem dummen Scherz eines Moderators zerstören."

Was wird sonst noch wichtig?

Bayern wartet auf die Heiligen Drei Könige. Caspar und Melchior sind offenbar gefunden, Timo Werner aus Leipzig und Lucas Hernández aus Madrid. Mit deren Ankunft im bayerische Abendland wird bald oder irgendwann gerechnet. Balthasar ist ja schon da: Alphonso Davies kommt aus fernen Landen gereist. Mit seinen Eltern floh er aus dem Bürgerkrieg von Liberia nach Kanada, er trägt ab Januar das rot-weiße Gewand. Bloß Mats Hummels kann die himmlischen Heerscharen nicht hören und möchte den Herrgott nicht preisen. Er wird wohl bald scheiden.

Die schönsten Fußballweihnachtssongs

  • Es ist ein Kroos entsprungen
  • Leise kriselt die Spree
  • Vom Himmel hoch, da kommt Werders Drohne her
  • Morgen, Nürnberg, wird's was geben
  • Vom Kölner Keller, da komm ich her
  • Kling, Döschen, klingelingeling