ZEIT ONLINE: Herr Zanotti, Fußballfans in Deutschland, aber auch Verantwortliche aus der Bundesliga stöhnen: Die Uefa will einen dritten Europacup einführen. Sie sind Geschäftsführer des san-marinesischen Clubs La Fiorita, wie finden Sie die Idee?

Paolo Zanotti: Wir finden die Europa League 2 sehr gut.

ZEIT ONLINE: Warum?

Zanotti: Vereine aus San Marino haben in ihrer Geschichte erst zwei Spiele im Europapokal gewonnen, eins durch ein Eigentor, das zweite in diesem Sommer. In der Europa League 2 wird es wahrscheinlich, dass wir öfter siegen.

ZEIT ONLINE: Die Europa League 2 wäre so etwas wie die dritte Liga Europas. Auch ein deutscher Teilnehmer wäre dabei, vor allem aber viele Clubs aus kleineren Ländern.

Paolo Zanotti, Geschäftsführer von SP La Fiorita, dem amtierenden Fußballmeister San Marinos © La Fiorita

Zanotti: Gegen Teams aus Armenien, Estland oder Aserbaidschan steht das Ergebnis für uns dann mal nicht vorher fest. Das ist vergleichbar mit der Nations League. Auf den großen Fußballmärkten ist auch sie umstritten, aber Länder wie Kosovo oder Mazedonien haben dank ihr plötzlich eine Chance, sich für die EM zu qualifizieren.

ZEIT ONLINE: Die Spiele in der Europa League 2 werden vermutlich auch am Nachmittag stattfinden. Nun unken manche: Wird irgendwann vormittags gespielt, gibt es bald Fußball rund um die Uhr?

Zanotti: Ich verstehe diese Einwände. Wer will Fußballspiele am Mittag? Das wäre sicher ein Problem für die Fans, bei uns sogar auch für die Mannschaft. Wir sind ja Amateure. Wir können eigentlich nur abends spielen, tagsüber gehen unsere Spieler und der Trainer zur Arbeit.

ZEIT ONLINE: Spielen Sie, den vielen Niederlagen zum Trotz, überhaupt gerne gegen Profimannschaften aus dem Ausland?

Zanotti: Es ist eine fantastische Erfahrung. Und reden wir nicht immer über eine europäische Identität? Der Sport bietet dafür die ideale Gelegenheit. Auch deswegen ist die Europa League 2 ein Gewinn.

ZEIT ONLINE: San Marino ist aber Letzter in der Weltrangliste und Letzter im Uefa-Ranking.

Zanotti: Dennoch ist unser Fußball in den letzten Jahren besser, interessanter geworden. Für viele Profis, zum Beispiel aus Italien, werden wir zur letzten Station vor dem Karriereende. Unsere besten Vereine könnten inzwischen in der Serie D mitspielen, der ersten Nichtprofiliga Italiens, oder in der deutschen Regionalliga. Allerdings ist durch den Europapokal auch bei uns der Abstand zwischen oben und unten gewachsen. Vereine wie wir oder Tre Fiori, die regelmäßig international spielen, gewinnen in der nationalen Liga häufiger als früher mal 5:0 oder 7:1.

ZEIT ONLINE: Momentan darf San Marino drei Teilnehmer im Europapokal stellen: einen zur Qualifikation für die Champions League, zwei zur Qualifikation für die Europa League. Geschafft hat diese Hürde noch niemand, alle schieden immer aus. Was würde sich durch die Europa League 2 ändern?

Zanotti: Das steht noch nicht genau fest. Wir sind in Gesprächen mit der Uefa. Die reine Zahl der Teilnehmer ändert sich für uns wohl nicht, bloß nähme einer unserer Vereine dann in der Qualifikation für die Europa League 2 teil. Da hätten wir größere Chancen, durchzukommen. Das ist ja unser großes Ziel, überhaupt teilzunehmen. Wir träumen davon, die nächste Runde zu erreichen. Das ist wie für andere der Titel.

ZEIT ONLINE: Würden Sie nicht gerne mal gegen Real Madrid oder Borussia Dortmund spielen?

Zanotti: Das wäre großartig. Die Champions League wäre wunderbar für die Vermarktung, wir bekämen durch das Fernsehen und die Zuschauer mehr Geld. Allerdings hätten wir in keinem Spiel eine Chance. Die Europa League 2 hingegen mag schlechter sein für die PR, ist aber besser für das Resultat. Wir dürfen nie vergessen: Im Fußball geht es ums Gewinnen.