Die wenigsten Sportverbände genießen den Ruf, besonders aufrichtige Organisationen zu sein. Doch man braucht sie: Sie organisieren den Sport, sie legen die Regeln fest, veranstalten Weltmeisterschaften und, vielleicht am wichtigsten: Sie vermarkten die Leistungen der Athleten an weltweite Fernsehsender. Aus dem Interesse der Menschen am Sport werden so Einnahmen.

Die wichtigsten Akteure aber, und das vergessen manche Verbände ganz leicht, sind die Sportlerinnen und Sportler. Sie trainieren ihre Disziplin bis zur Perfektion und ermöglichen damit erst den organisierten Sport. Ohne sie keine Wettbewerbe, ohne Wettbewerbe keine Vermarktung, ohne Vermarktung keine Einnahmen.

Die typische Reaktion

Doch wird das Geld nicht fair verteilt. Weil eine Unwucht entstanden ist. Sportverbände haben ein Machtmonopol. In manchen Verbänden geht die Lust zur Kontrolle so weit, dass sie bestimmen wollen, wer wo unter welchen Bedingungen Wettkämpfe bestreitet. Alternative, lukrativere Wettbewerbe, wie sie gerade die Schwimmer probieren wollen, werden verboten. Es sei denn, es gibt eine fette Provision, wie es der Schwimmweltverband vorgeschlagen hat. Es ist die typische Reaktion. Vielen Verbänden geht es um Geld und Macht. Kein Sport außerhalb unserer Institution ist ihr Prinzip. 

Es ist überfällig

Jetzt wehren sich die Sportler. Der neueste Fall der klagenden Olympiasieger wird vor einem Gericht in den USA verhandelt und hat das Potenzial, den Schwimmsport grundlegend zu verändern. Auch das IOC ist nervös. Schon im vergangenen Jahr sprach die EU-Wettbewerbskommission eine Rüge gegen einen seiner Fachverbände aus, der organisierte Sport erlebte eine Niederlage.

Der Chef des IOC, Thomas Bach, weist darauf hin, dass konkurrierende Modelle vor allem auf Geld basieren – als wäre das eine Fremdwährung für das IOC. Er sagt auch, dass sein IOC auf Basis seiner Werte hingegen einen Beitrag für eine bessere Gesellschaft leiste. Diese Verteidigung des eigenen Modells wäre angesichts der vielen olympischen Skandälchen schon fast witzig, wenn es nicht für die Sportler um alles gehen würde.

Denn sie haben nur wenige Jahre, in denen sie verdienen können und in denen sie ihre Körper malträtieren. Dass sie eine angemessene Beteiligung an den von ihnen generierten Einnahmen erhalten, ist überfällig.