Wer spielte wie gegen wen?

Die letzte Herzchenwertung des Jahres entscheidet die Frankfurter Eintracht für sich. Am wenigsten Zuneigung erfährt ausgerechnet der Tabellenletzte aus Nürnberg. Jaja, die Welt ist kalt und unbarmherzig.

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Den Sieg des BVB gegen Gladbach. Wer braucht schon starke Nerven, wenn er einfach gut ist? Nach der ersten Dortmunder Saisonniederlage unter der Woche in Düsseldorf fürchtete so mancher, der BVB könnte auch gegen den Zweiten aus Gladbach stolpern und innerhalb von nur drei Tagen einen Großteil seines schönen Vorsprungs verspielen. Psychologisch wäre das eine kleine Katastrophe für die Schwarz-Gelben gewesen, nun aber ist alles toll. Düsseldorf war wohl nur ein Ausrutscher, gegen Gladbach zeigten Marco Reus und Jadon Sancho, die beiden besten Bundesligaspieler der Hinrunde, noch einmal ganz genau, was sie können. Der eine ist zu einem echten Anführer und Kapitän geworden, der andere scheint mit Gummibeinen auf die Welt gekommen zu sein und kann seine Gegner auf dem Bierdeckel ausspielen wie kein Zweiter in der Liga. Selbst Mario Götze bereitet wieder Tore vor. Lucien Favre hatte sich als Belohnung daher etwas ganz Besonderes ausgedacht: Er spendierte seiner Truppe noch in der Kabine eine Runde Burger. Wenn Thomas Tuchel das erfährt, verschluckt er sich noch an seinem Chia-Samen-Püree.

Welches Spiel konnten Sie mit guten Gewissen verpassen?

Die drei Letzten aus Stuttgart, Hannover und Nürnberg verloren jeweils ihre Heimspiele. Man wird den Eindruck nicht los, man würde nicht allzu viel Geld verlieren, wenn man wetten würde, dass sich auch bis zum Ende der Saison an der Tabellenkonstellation nicht mehr viel ändern wird. In Stuttgart brachte es Nicolás González fertig, den Ball aus 18 Metern frei vor dem leeren Tor nur an den Pfosten zu schießen, eine Szene, die noch schnell in die sicher schon fertigen Jahresrückblicke hineingeschnitten werden muss. Hannover spielte die schlechteste Hinrunde der Vereinsgeschichte und dem Schlusslicht Nürnberg merkt man an, dass sie neben Düsseldorf den geringsten Etat der Liga haben. Geld schießt nicht unbedingt Tore, aber kein Geld schießt oft keine Tore.

Wer stand im Blickpunkt?

Franck Ribéry hält nichts vom Altern. Das sieht man schon an seiner Frisur. Wer sich seine Rückennummer in die Haare schnitzen lässt, der kann ja erst 15 Jahre alt sein oder allerhöchstens 25, nicht aber 35, wie es im Pass des Franzosen steht. Ewig jung wirkt er derzeit auch auf dem Platz. Erst das Tor gegen Leipzig, beim 3:0 der Bayern in Frankfurt machte er gar zwei. Immer wieder lief Ribéry die linke Seite hinunter, schlug hier einen Haken und sprang da über das Bein eines Gegners, der (fast) sein Sohn sein könnte. Ribérys Bayern gehen nun mit sechs Punkten Rückstand auf den BVB in die Winterpause. Vor Saisonbeginn hätte sie diese Information schockiert, mittlerweile freuen sie sich in München darüber, dass es nur sechs Punkte sind. Sie sind nach einer turbulenten Hinrunde wieder im Angriffsmodus.

Das kleine Jahresabschlusshoch ist aber auch gefährlich. Gut möglich, dass sich die Bayern nun selbst belügen und einen nötigen Umbruch etwas weniger engagiert angehen, als sie müssten. Tatsächlich spielten sie gegen Leipzig nicht besonders gut und auch Frankfurt war am Samstagabend ab Minute 20 kein ernstzunehmender Gegner mehr. Dass Franck Ribéry es noch schafft, an einem durchschnittlichen Bundesligaverteidiger vorbeizurennen, spricht durchaus für ihn, ob er aber auch an einem vom FC Liverpool oder Atletico Madrid vorbeikommt, ist doch etwas fraglicher.