Mein/e unbekannte/r Held/in des Jahres

Unbekannt ist die Südkoreanerin Kim Eun Jung nur hierzulande. Daheim ist sie ein Superstar, seit sie bei den Olympischen Spielen allein mit ihrem hypnotischen Blick durch untertassengroße Brillengläser knapp 20 Kilogramm schwere Granitsteine ins sogenannte Haus fernsteuerte, das aus farbigen Kreisen gebildete Zielgebiet beim Curling. Als Skip führte sie ihre Mannschaft, die Garlic Girls (sie stammen aus der für ihren Knoblauch bekannten Bauern-Provinz Uiseong), sensationell zur Silbermedaille. Und sorgte damit für die Rarität der Spiele: eine stets ausverkaufte Arena voller enthusiastischer Einheimischer. (Christof Siemes, Olympia-Reporter)

Chuan Bernatt. (Oliver Fritsch, Sportredakteur)

Shaquem Griffin. Der einarmige Linebacker der Seattle Seahawks. Noch hat er keine große Rolle im Team, aber das kann sich bei seinem Ehrgeiz ändern. Seine Story, sich als Mensch mit Handycap in die härteste Sportliga der Welt zu fighten, ist selten inspirierend. Besonders schön: Shaquem G. spielt in Seattle mit Shaquill G., seinem Zwillingsbruder. Eine der schönen Geschichten der NFL, die sonst eher durch düstere Narrative besticht. Zum Beispiel, dass Frauenschläger dort Jobs bekommen, politische Aktivisten jedoch arbeitslos bleiben. (Hannes Hilbrecht, WM-Redakteur)

Eine Trickskifahrerin ohne Tricks. Bei den Winterspielen fuhr Elizabeth Swaney durch die Halfpipe, ganz gemütlich, ohne einen einzigen Trick zu zeigen. Sie konnte keinen. Swaney begann erst mit 25 Jahren mit dem Skifahren und qualifizierte sich für Olympia, indem sie einfach nicht hinfiel, im Gegensatz zu vielen ihre Kolleginnen, bei deren risikoreichen Sprüngen und Salti Stürze eben dazugehören. Ein ausgestrecker Mittelfinger gegen den Medaillenwahn im Spitzensport. (Christian Spiller, Sportredakteur)

Ich fand es bewundernswert, dass mein Sportchef auch sonntags bei Minusgraden zu Fußballplätzen um und in Berlin gefahren ist, um sein Lieblingsteam in der Regionalliga Nordost spielen zu sehen. Außerdem werde ich seinetwegen nie vergessen, was Big Air ist, dass Pyeongchang nicht in Nordkorea liegt und dass man manchmal einfach das schreiben sollte, was man denkt. (Annika Langrock, Sporthospitantin)

Mein aktiver Sportmoment des Jahres

Den Wutball so lange zu quetschen, dass ich dem Drang, Karsten P. eine kritische E-Mail zu schreiben, am Abend des Pokaldramas widerstehen konnte. Ansonsten: ein gewonnenes Bierpongturnier und viermal um 2:15 Uhr aufstehen, um Seahawks-Spiele sehen zu können. (Hannes Hilbrecht, WM-Redakteur)

Mit dem Rad um die innere Bucht von Kotor, insgesamt gut 50 Kilometer. Ich weiß, das ist nicht viel, für mich inzwischen aber schon. (Oliver Fritsch, Sportredakteur)

Der Aufstieg mit dem THC Franziskaner in die Berliner Freizeit-Verbandsliga, für den ich mein vorderes Kreuzband opferte. Ein paar Monate später das erste Mal wieder joggen gehen zu können: fantastisches Gefühl. Holger Badstuber, I feel you! (Fabian Scheler)

Fragen wir die Fitness-App: Die Radtour am 8. Oktober 2018 im Norden Teneriffas von Punta del Hidalgo über die Höhen des Anaga-Gebirges nach Chamorga am Ende des Sträßchens TF-123. 93,6 Kilometer in 4:31:39 Stunden, macht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20,7 km/h und einen Schnitt von 2:54 min/km. Die Spitzengeschwindigkeit betrug 64,3 km/h, der Flüssigkeitsbedarf lag bei 3,774 Liter. Klingt vielleicht nicht so beeindruckend. Aber das Beste kommt zum Schluss: Insgesamt habe ich auf der Runde 3.918 Höhenmeter bewältigt. Push-Nachricht in der App: Fantastisch! (Christof Siemes, Olympiareporter)

In diesem Jahr habe ich das erste Mal auf einer Weihnachtsfeier Bogenschießen ausprobiert. Ich war sogar gar nicht schlecht. Meine Kollegin, eine ehemalige Olympiateilnehmerin und aktuelle Nationaltrainerin von Belgien, konnte sich aber nicht erklären, wie ich mit einer so schlechten Körperhaltung so oft die Mitte der Zielscheibe treffen konnte. Glück oder Naturtalent? (Annika Langrock, Sporthospitantin)

Nach dem Schlusspfiff ein paar Meter nach links zur Treppe, dann hinunter, durch das offene Tor auf den Rasen. Selten schnellte mein Puls so in die Höhe wie beim Platzsturm nach dem Aufstieg des FC Energie Cottbus. Was gibt es auch Schöneres, als zusammen mit Tausend anderen vor Glück besoffenen auf den Rasen zu laufen, auf dem gerade noch die spielten, denen man, weil man ja nichts dagegen tun kann, zujubelte. Dann schaut man am Strafraum stehend auf die Tribünen und stellt sich vor, wie es wäre, hier mal ein Tor zu machen wie so ein Zwölfjähriger. Und dann geht man nach Hause. (Christian Spiller, Sportredakteur)