Sportverbände wollen, dass Rennen, Turniere, Spiele und Wettkämpfe stattfinden, sie sollen Sport ermöglichen. Doch manchmal verhindern sie auch Sport. Das bekommen aktuell die Schwimmerinnen und Schwimmer zu spüren. Ihr Weltverband, die Fina, will allein bestimmen, wo geschwommen werden darf.

Deswegen haben die Olympiasieger Katinka Hosszu und Tom Shields sowie der US-Schwimmer Michael Andrew eine Klageschrift vor einem US-Gericht gegen die Fina eingereicht. Eine zweite Klage hat die International Swimming League (ISL) verfassen lassen. Dahinter steht der ukrainische Milliardär Konstantin Gregorischin, der eine eigene Rennserie aufbauen und den Schwimmern viel mehr Geld zahlen will als die Fina, die in den Jahren 2016 und 2017 nur je 12,5 Prozent ihres Umsatzes als Preisgeld ausschüttete. Darf er machen, sagt die Fina, wenn er eine Gebühr in Millionenhöhe an sie zahlt. Das will Gregorischin natürlich nicht.

Das erste Rennen in Turin wurde abgesagt, auch weil die Fina jedem Schwimmer, der überlegt hatte, ins Becken zu steigen, mit Strafen drohte. Ob die Rennserie mit den 300 besten Schwimmerinnen und Schwimmern 2019 stattfindet, ist offen. Dieser Fall ist nicht der erste und nicht der einzige, in dem Sportverbände, die meist auch Monopole oder gar Kartelle sind, mit Verboten, Drohungen oder Mauscheleien konkurrierende Veranstalter und Verbände verdrängen wollen. Konkurrenz, die den Athleten, Athletinnen und Vereinen bessere Bedingungen bietet. Es gibt geradezu eine Historie der Sportverbote, meist mussten Gerichte urteilen.

Wenn die EU eingreift

Die beiden vielleicht wichtigsten Monopolbekämpfer unter den Athleten heißen Mark Tuitert und Niels Kerstholt. Die niederländischen Eisschnellläufer bekamen im Dezember 2017 von der Wettbewerbskommission der EU Recht. Sie wollten bei einem Wettbewerb in Dubai starten, der nicht vom Eisschnelllaufverband (ISU) genehmigt war, aber viel Preisgeld versprach. Die ISU drohte den Olympiasiegern mit Strafen, im schlimmsten Fall wollte sie auch zur lebenslangen Sperre greifen. Die Sportler wandten sich an die EU-Kommission. Die prüfte drei Jahre lang und kam zum Schluss: Das Vorgehen der ISU verstößt gegen EU-Recht. "Die harten Sanktionen, die die Internationale Eislaufunion gegen Eisläufer verhängt, dienen jedoch auch dazu, ihre eigenen geschäftlichen Interessen zu schützen und andere daran zu hindern, eigene Veranstaltungen zu organisieren", schrieb die EU-Kommissarin Margarethe Vestager. Der Verband hindere Sportler, ihre unternehmerische Freiheit auszuüben. Das darf nicht sein. Sieg für die Sportler.

Offen hingegen ist ein anderer Rechtsstreit. Die Deutsche Ringerliga (DRL) der Männer wurde 2017 von den wichtigsten deutschen Vereinen gegründet, etwa dem VfK Schifferstadt oder dem SV Germania Weingarten. Sie waren unzufrieden mit dem Deutschen Ringerbund (DRB), der die herkömmliche Bundesliga austrägt – etwa mit der Mitbestimmungskultur und der Organisation. Obwohl es die DRL bereits nach kurzer Zeit geschafft hat, dass Ringen erstmals seit Jahren wieder im Free-TV läuft, bekämpft der DRB die "Wilde Liga", so gut er kann. Da wurden Athleten schon mal gesperrt, auch wenn sie zu den Besten des Landes zählen. Ein Zivilgericht hob die Sperren wieder auf, doch das juristische Duell zwischen dem DRB und der DRL ist noch nicht beendet.

Wer darf Rennfahren zeigen?

Um viel mehr Geld und Macht stritten vor zwei Jahrzehnten zwei PS-Verrückte. Der baden-württembergische Unternehmer Wolfgang Eisele ließ in den Neunzigerjahren in Europa Lastwagen gegeneinander fahren. Die Rennen waren beliebt, auch weil Eisele die Bilder, im Gegensatz zur Formel 1, kostenlos an Fernsehsender verteilte. Das rief Bernie Ecclestone, den Paten der Formel 1, auf den Plan. Mit einem Trick und Hilfe der Weltautomobilvereinigung Fia sicherte er sich die Übertragungsrechte an allen internationalen Motorsportveranstaltungen. Eisele klagte dagegen und gewann, weil die Fia nach Auffassung des Gerichts ihr Monopol missbraucht hatte. Doch der Kampf endete nicht, Ecclestone setzte alle Mittel ein, einmal überwies er Eisele, einfach so, 500.000 Mark. Die Zermürbungsstrategie ging irgendwann auf. "Einige", sagte Eisele viele Jahre danach, "haben unter Ecclestone schweinemäßig gelitten."