Der Gang, in dem die Handballer bei dieser WM nach dem Spiel mit den Journalisten reden, hat eine schwarze Wand, die Lärm schluckt. Das half aber nicht viel, als Uwe Gensheimer des Weges kam. Der Kapitän der Deutschen stieß einen langen Wutschrei aus.

Man war ja froh, dass er überhaupt noch gehen konnte. Gensheimer hatte nach dem 25:25 gegen Frankreich mehrfach gegen das Tor getreten, so aufgebracht war er. Seine Augen waren bei den Interviews weit aufgerissen, die Worte fielen förmlich aus seinem Mund.

Kein Spiel für Herzpatienten. Deutschland präsentierte sich im ersten Spitzenspiel dieser Handball-WM stark und vergeigte erst in letzter Sekunde einen verdienten Sieg gegen den Weltmeister. Unentschieden, wie schon gegen Russland, schon wieder kurz vor Ende. Allerdings fühlte sich dieses Remis eher wie ein Sieg an und nicht, wie einen Tag zuvor, wie eine Niederlage

Die deutschen Spieler waren zwar sehr genervt vom zweiten Last-minute-Remis innerhalb von 24 Stunden. Aber sie waren auch sehr stolz. "Wir wussten, dass wir es können, und heute haben wir es gezeigt", sagte Fabian Böhm. "Wir haben mit der besten Mannschaft der Welt mitgehalten", sagte Hendrik Pekeler. Und Bob Hanning, als DHB-Vizepräsident, kürte das Spiel gar zum besten Spiel unter Christian Prokop, der seit zwei Jahren Bundestrainer ist.

Deutschland und Frankreich lieferten sich eine Abwehrschlacht. Beide Teams hatten Bock auf Verteidigen, rissen, schubsten und hechteten hinterher, warfen ihre Riesenkörper auf alles, was nicht ihr Trikot trug, kämpften um jeden Ball. Prokop ballte einmal seine Faust, als die Franzosen einen Ball ins Aus warfen. Die Deutschen warfen nur 35-mal aufs Tor, die Franzosen 38-mal, beides Werte unter dem Durchschnitt. Gegen Brasilien erarbeitete sich Deutschland noch über 50 Versuche.

Es begann richtig gut. Der Tormann Andreas Wolff hielt sein Tor mehr als sechs Minuten lang dicht, ehe die Franzosen ihren ersten Treffer machten. Weil auch die französische Abwehr stark agierte, obwohl sie früh ihren Chef und Kapitän Cédric Sorhaindo wegen einer Verletzung verlor, stand es nach 15 Minuten erst 3:3.

Frankreichs Star Nikola Karabatić saß verletzt auf der Tribüne, sein Thronfolger, der 21-jährige Dika Mem, wurde vom deutschen Verteidiger Patrick Wiencek häufig abgerungen, es sah fast schon väterlich aus, wie Wiencek ihn in den Schwitzkasten nahm.

Wilhelm Tell spielt für Deutschland

Überhaupt Wiencek: Einer von drei deutschen Kreisläufern, dem wahrscheinlich besten deutschen Mannschaftsteil. Vorne kam er kaum zum Zug, dafür verteidigte er hinten mit einem Ruhepuls von 58. Er packte zu, wann immer einer der jungen Franzosen heranstürmte. Das französische Prunkstück, der Rückraum links und rechts, erzielte gerade mal vier Tore, auch dank Wiencek.

Und dahinter stand Andreas Wolff. Einmal entschärfte er innerhalb von Sekunden zwei Würfe der Franzosen, einer der Bälle kam mit 101 Kilometern pro Stunde angerast.

Vorne deutete sich schon vor der Pause an, dass Fabian Wiede im halbrechten Rückraum eine entscheidende Rolle spielen würde. Beinahe alle seiner Würfe fanden den Weg ins Ziel, drei davon oben links in den Knick. Wilhelm Tell wäre stolz auf ihn. Er wurde zum Spieler des Spiels gewählt.