Russlands Antidopingagentur (Rusada) wird vorerst nicht erneut gesperrt. Sie muss aber weitere Bedingungen erfüllen, um zugelassen zu bleiben, wie die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) mitteilte. Rusada war 2015 wegen des Dopingskandals um russische Leichtathleten suspendiert worden. Im September 2018 hatte Wada die Sperre unter mehreren Auflagen aufgehoben.

Unter anderem musste die russische Antidopingagentur der Wada Zugang zu Daten aus ihrem Moskauer Büro gewähren. In der vergangenen Woche konnten diese die Daten kopieren und sichern – allerdings erst 18 Tage nach Ablauf der ursprünglichen Frist, die am 31. Dezember endete. Zuvor hatte Russland der Wada jahrelang den Zugang zu dem Labor verwehrt. Bis zum 30. Juni muss Russland außerdem Dopingproben für Nachtests freigeben.

"Das ist ein großer Durchbruch für den sauberen Sport", sagte Wada-Präsident Craig Reedie nach der Übergabe der Daten. Nach einer Telefonkonferenz des Wada-Exekutivkomitees sagte er, das Komitee sei zufrieden mit den "bedeutenden Fortschritten". Mehrere Mitglieder hätten ihre Enttäuschung darüber ausgesprochen, dass die Frist verpasst wurde. Sie hätten aber übereinstimmend entschieden, keine Strafe zu verhängen.

Die Moskauer Daten sind laut Wada bereits aus Russland abtransportiert worden und sollen nun auf ihre Authentizität geprüft und ausgewertet werden. Für den Fall, dass sie manipuliert worden seien, drohte der Vorsitzende des Komitees, Jonathan Taylor, mit den "härtesten möglichen Strafen".

"Vorübergehend vom Weg abgekommen"

Rusada-Chef Juri Ganus zeigte sich nach der Entscheidung erleichtert. "Wir sind vorübergehend vom Weg abgekommen. Wir können nun unsere Arbeit fortsetzen", sagte er russischen Medien zufolge. "Gratulation an Sportler, Manager und alle, die unseren Sport unterstützen." Ganus hatte immer wieder gewarnt, dass russische Sportler nicht an internationalen Wettkämpfen teilnehmen dürften, wenn Russland die Bedingungen nicht einhalte. Er versprach, auch die weiteren Verpflichtungen zu erfüllen.

"Wir hören nicht auf, bis wir alle Fälle untersucht haben, die wir als sehr verdächtig einstufen", sagte der deutsche Wada-Ermittler Günter Younger. Er könne aber "keine seriöse Zahl" dieser Fälle nennen. Auch konnte er nicht sagen, ob die Verfahren bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio abgeschlossen sein werden. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung lobte Younger die Zusammenarbeit mit der russischen Agentur als "mustergültig". Rusada sei "sehr bemüht, Vertrauen zurückzugewinnen".

Nach der Aufdeckung des Skandals in Russland hatte Wada-Ermittler Richard McLaren zu Manipulationen vor allem bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi einen grundlegenden Report erstellt. Laut dem Bericht sollen Hunderte Athleten illegale Mittel genutzt haben.