Viele Fans hatten die Bundesliga wegen der Alleinherrschaft der Bayern schon aufgegeben, doch dann kam die Saison 2018/19. Plötzlich stand der allewige Meister mal auf Platz sechs. Inzwischen ist er wieder näher vorne dran, doch kann er die Dortmunder noch einfangen? Dass man diese Frage am Beginn der Rückrunde stellen würde, hätten die wenigsten gedacht. In der Bundesliga ist wieder Spannung drin, und wenn Sie sich diese bewahren wollen, müssen Sie hier aufhören zu lesen. Wir verraten Ihnen nämlich heute, am Tag des Rückrundenbeginns, wie es ausgeht: das Titelrennen, der Abstiegskampf, der Wettlauf um die Europapokalplätze, und sogar den Sieger der Relegation.

Wer wird Meister?

Borussia Dortmund. Wahrscheinlich. Der BVB ist in dieser Saison gut drauf. Erstmals seit der Kloppperiode wirkt er titelfähig und der Verein glaubt wieder an sich und seine Stärke. Das belegen auch die vielen knappen Siege in der Hinrunde. Die bezeugen allerdings auch, dass nicht immer Souveränität im Spiel war. Die Borussia wird zwar eher nicht noch mal starke 42 Punkte holen wie in der Hinrunde, auch weil sich der Abwehrchef Manuel Akanji verletzt hat und der neue Torjäger Paco Alcácer noch immer nicht ganz fit ist. Aber vermutlich auch nicht allzu viele weniger. Die Chancen auf die erste Meisterschaft seit 2012 stehen etwa 2:1.

Oder doch wieder der FC Bayern, der in seiner schwächsten Saison seit acht Jahren sechs Punkte dahinter steht. Nach einem Zwischentief gewann der Meister die letzten fünf Spiele. Allerdings haben die Bayern nicht mehr das Niveau der Epoche Guardiola/Heynckes, in denen man ihnen 14 oder mehr Siege in siebzehn Spielen zugetraut hätte. Ihr Rückrundenrekord stammt aus dem Triplejahr 2013, damals holten sie 49 von 51 möglichen Punkten. Diese Zeiten sind vorbei. Die Bayern haben sich den 6. April im Kalender angekreuzt, da kommt Dortmund zum Spitzenspiel nach München. Sie rechnen so: Das gewinnen wir sowieso, also haben wir schon jetzt nur drei Punkte Rückstand.

Allerdings ist gar nicht gesagt, dass es knapp wird und wir endlich wieder eine Titelentscheidung am 34. Spieltag erleben. Die ersten beiden Auswärtsspiele der Bayern 2019 führen sie nach Hoffenheim und Leverkusen. Vielleicht ist ihr Abstand auf die Tabellenspitze danach noch größer. Und vielleicht müssen die Bayern ab Mitte März noch das Aufeinandertreffen mit dem FC Liverpool in der Champions League verdauen.

Wer kommt noch in die Champions League?

Borussia Mönchengladbach, die positive Überraschung der Saison. Vorne gut, hinten ganz okay, so gewann die Borussia alle (!) Heimspiele. Um noch ganz vorne anzugreifen, lässt die Elf Dieter Heckings allerdings zu viele Punkte gegen Teams wie Augs-, Wolfs- und Freiburg liegen.

RB Leipzig, die Elf mit den wenigsten Gegentoren der Liga. Die Investitionen in den Kader zahlen sich aus. Wäre halt nur schön, wenn Leipzig im Europapokal in der nächsten Saison nicht wieder so früh und schlecht gelaunt ausscheidet wie in dieser.

Wer steigt ab?

In Hannover ist die Laune wegen der vereinspolitischen Konflikte Martin Kinds mies. Und der Trainer André Breitenreiter hatte seinen Spielern Maßnahmen für den Fall des Misserfolgs angedroht, setzte sie dann aber, als der Misserfolg eintrat, nicht um. Sollte man nicht tun, wenn man seine Autorität wahren will. Dank der Leihgaben Nicolai Müller (Frankfurt) und Kevin Akpoguma (Hoffenheim) ist 96 in der Rückrunde möglicherweise nicht mehr ganz so schwach wie in der Vorrunde, aber vermutlich wäre schon der Relegationsplatz ein Erfolg.

Und der 1. FC Nürnberg, der Club schickt sich an, der erste Aufsteiger seit Paderborn 2015 zu werden, der direkt wieder absteigt. Der letzte Sieg fand im September statt. Aus dem Verzicht auf Transfers und den Aussagen der Verantwortlichen lässt sich schließen: Sie geben sich mit dem Schicksal ab, das Abstieg und dann Neuaufbau heißt. Vielleicht liegt ja genau darin die Chance für die Franken, vielleicht unterschätzen sie viele, nicht zuletzt sie selbst. 

Der FC Augsburg hat es in dieser Saison überraschend schwer. Der Kern der Mannschaft ist ein wenig in die Jahre gekommen. Augsburg spielt nie ganz schlecht, das Torverhältnis gleicht beinahe dem von Bayer Leverkusen. In München holte der FCA einen Punkt, in Dortmund verlor er erst in allerletzter Minute 3:4. Doch der letzte Sieg gelang der Elf im Oktober. Die Hoffnung heißt Alfreð Finnbogason. Der isländische Torjäger war in der Hinrunde nur in zehn Spielen dabei, jetzt ist er wieder fit. Läuft es für Augsburg blöd, könnte es auf den Relegationsplatz hinauslaufen.

Von dem will sich der VfB Stuttgart, der große Verlierer der Hinrunde, befreien. Ein paar Verletzte kehren zurück, hinzukommen die zwei neuen Leihspieler Steven Zuber (Hoffenheim) und Alexander Esswein (Berlin). Doch eine gute Saison, die mit Träumen vom Europapokal begann, wird das nicht mehr für die Schwaben.

Nicht absteigen wird Fortuna Düsseldorf. Die Bundesliga erlebt nämlich ein schönes Märchen vom widerborstigen Außenseiter. Das liegt auch an einer Posse, die die Düsseldorfer selbst veranstalteten: Friedhelm Funkels Abschied war tränenreich bereits verkündet, da bremste der Aufsichtsrat den Vorstand Robert Schäfer – der den Machtkampf mit dem Trainer klar verlor. Eigentlich hoch peinlich für den Verein, doch wird sich die Mannschaft durch diesen Angriff von "oben" noch stärker mit ihrem Trainer vereinen, als das ohnehin schon der Fall war.