Drei Minuten vor dem Ende des WM-Auftaktspiels verkündete der Berliner Hallensprecher, dass Jaeyong Park soeben seine siebzehnte Parade gezeigt hatte. Siebzehn, das ist für einen Handballtorhüter, der 40 Würfe pro Spiel aufs Tor bekommt, nicht wenig. Er war noch mitten im Satz, die Klatschpappen klatschten noch, da schmiss sich der koreanische Keeper schon wieder in einen deutschen Ball. Mal mit der Brust, mal mit dem Arm oder dem Bein: Park hielt dicht.

Dass Parks Einsatz gefragt sein wird, kam nicht so überraschend: Die deutschen Handballer waren beim ersten Spiel der WM die klaren Favoriten und kamen deshalb zu vielen Chancen. 30:19 stand es am Schluss, es war der erwartet deutliche Sieg gegen ein Team aus der zweiten, vielleicht dritten Liga des Handballs. Und dennoch: Gelobt wurde Park, der nach seinen Paraden immer breit grinste. Sein Kollege, der deutsche Torhüter Andi Wolff, der selbst ein hervorragendes Spiel zeigte, sprach ihm Anerkennung aus und auch der deutsche Bundestrainer Christian Prokop. Einmal klatschte Park mitten im Spiel die gesamte koreanische Bank nach einer Parade ab.

Überhaupt war es ein Abend voller Höflichkeiten und Gesten. Der Präsident des Internationalen Handballverbands (IHF), Hassan Moustafa aus Ägypten, hielt seine Eröffnungsrede fast komplett auf Deutsch – ein Erbe seines Studiums in Leipzig. Für das vereinigte Team Korea lief statt einer Hymne ein Volkslied. Und die deutschen Fans verziehen ihrem Team einige Nachlässigkeiten im Abschluss.

"Sind hier wegen des Sports, nicht wegen der Politik"

Nun sind Eröffnungsspiele mehr Event als Spiel. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war da, Innenminister Horst Seehofer auch, IOC-Präsident Thomas Bach, Gerhard Schröder; sie alle saßen in einer Reihe und verfolgten die Geschichte des vereinigten Koreas. Für die sechzehn jungen Sportler aus dem Süden und die vier aus dem Norden ist es wahrscheinlich mehr eine Bürde, wenn Funktionäre ein Spiel aufpumpen, und den Lauf der Geschichte hineininterpretieren: "Wir sind hier wegen des Sports, nicht wegen der Politik", sagte der Trainer Young Shin Cho nach dem Spiel und man sah ihm an, dass er das Thema damit beenden wollte.

Die Koreaner waren mutig, aber ihnen fehlte es an allem, um mitzuhalten. In der Vorbereitung hatten sie gegen Teams aus der deutschen Regionalliga verloren. Es war auch kein perfektes deutsches Spiel, aber eben ausreichend, um sich im Turnier erst einmal einzurichten.

Denn es ist ja so: Innerhalb von ein wenig mehr als einer Woche wird über das Wohl dieser Mannschaft und ihren Trainer Christian Prokop entschieden. Nach dem frühen Aus 2017 und dem EM-Debakel 2018 soll es bei der Heim-WM mindestens bis ins Halbfinale gehen, was ein ehrgeiziges Ziel ist. Kann die Mannschaft wieder einen Handballjanuar entfachen wie 2007 und 2016? Korea ist nicht der Maßstab, Weltmeister Frankreich am kommenden Dienstag schon eher. Brasilien, Russland und Serbien sind die weiteren Vorrundengegner, alles unangenehme Aufgaben. Dann kommt, wenn es normal läuft, die Hauptrunde, in der wahrscheinlich die Favoriten Spanien und Kroatien warten. Zwölf wichtige Tage für den deutschen Handball.

Was man nach dem Spiel gegen Korea schon weiß: Die deutsche Abwehr steht ganz gut. Zwei verschiedene Formationen gab es zu sehen: eine klassische 6-0-Verteidigung, also alle sechs Feldspieler rund um den Kreis postiert. Und eine 3-2-1, eine Formation, die aussieht wie ein Tannenbaum, die immer dann zum Einsatz kam, wenn Korea in Unterzahl war. Das soll den Gegner unter Druck setzen, ihn zu Fehlern zwingen. Während vieler Angriffe gerieten die Koreaner deshalb in Zeitnot.