Vor einigen Tagen erschien ein gut gelesener Text von Sophie Passmann übers Handballspielen. Sie wurde dafür in der Handballszene gefeiert, vom Präsidenten des deutschen Handballverbandes über Stefan Kretzschmar bis hinab zu den Kreisläufern deutscher Dorfhallen befand man: Endlich sagt's mal eine! Handball ist die Direktdemokratie des Sports, alle sind gleich wichtig und gefährlich.

Doch stimmt es auch? Oder war das Handballromantik? Man nehme die Außenspieler zum Beispiel. Die haben den Job eines Soldaten, der eine kleine Hecke bewachen soll. Das Spiel findet nämlich die meiste Zeit in der Mitte statt. Die Außen rennen viel vor, viel zurück, doch manche Spiele sind einfach nicht für sie gemacht.

Gut zu sehen war das im letzten Vorrundenspiel der deutschen Handballer gegen Serbien. Schon vor dem Spiel war klar, dass die Deutschen in die Hauptrunde nach Köln einziehen, die Serben waren schon raus. Es war, nach den aufreibenden Unentschieden gegen Russland und Frankreich, ein besseres Testspiel. Man sah viele Wechsel, "für manche in unserem Team war das heute das Eröffnungsspiel", sagte der DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Bis auf das Spiel in Überzahl mit sieben Feldspielern klappte das meiste, der Trainer Christian Prokop probierte nahezu alles aus, was er im Laufe des Turniers noch sehen will. Deutschland gewann ungefährdet 31:23.

13 der 15 Spieler warfen gegen die Serben mindestens einmal aufs Tor, zwölf trafen auch und nur zwei blieben ohne Versuch: Andi Wolff, der Torhüter, der nur für einen Siebenmeter aufs Feld kam. 

Und dann war da noch Patrick Groetzki, der starke und einzige Rechtsaußen dieses Teams. Der diesmal eine Halbzeit lang mitmachen durfte. Der aber nicht ein einziges Mal aufs Tor warf. Selbst Silvio Heinevetter, der Torhüter, warf ein Tor. Von ganz hinten.

Rechtsaußen zu sein ist manchmal sehr einsam, vielleicht hat sich Groetzki gegen Serbien ein bisschen wie André Poggenburg gefühlt. "Das ist manchmal leider das Schicksal von einem Außenspieler", sagte er nach dem Spiel und lachte. Keiner stand bei dieser WM für Deutschland bisher länger auf dem Feld als Groetzki, fast vier Stunden Spielzeit hat er schon hinter sich. Dabei warf er acht Tore, also knapp zwei pro Spiel. So oft trifft er in etwa auch bei seinem Club, den Rhein-Neckar Löwen.

Sie sind die Zauberer des Spiels

Das Randdasein ging schon beim Aufwärmen los. Während sich in der Mitte bei den ersten Torwürfen die Hünen tummelten und Wurf für Wurf aufs Tor knallten, wartete Groetzki mit seinem Erwärmungswurf, bis alle durch waren. Er stand dabei alleine ganz außen. Beobachtete man ihn dabei, erkannte man gut, welches Tempo Menschen mit nur drei Schritten Anlauf erreichen können.

Außenspieler starten meist von dem Punkt, wo Grund- und Seitenlinie sich treffen. Das heißt, sie warten dort. Dann laufen sie entlang des Kreises in den Pass, machen zwei oder drei schnelle Schritte, fangen den Ball oft mit einer Hand und fliegen artistisch in die Mitte auf den Torhüter des Gegners zu.

Außen haben flexible Handgelenke, mit denen sie Teig besser rühren könnten als Maschinen. Einer ihrer Spezialwürfe ist der Dreher. Der Ball titscht am Torhüter vorbei und dreht sich ins Tor. Oder sie legen für den Kempa-Trick auf, bei dem beide Spieler im Sprung den Ball passen, annehmen und versenken. In den guten Momenten sind die Außen die Zauberer.