Auch in Dresden schneit es in diesen Tagen ein wenig, aber von einer dichten Schneeschicht ist das Elbtal nicht bedeckt. Trotzdem wird die Stadt an diesem Wochenende zur Wintersport-Hochburg. Die Elite des internationalen Langlaufs sprintet mitten im Zentrum um Punkte im Weltcup. Auf einer 800 Meter langen Loipe, perfekt präpariert, die direkt am Elbufer entlangführt, vorbei an den Prachtbauten, auf die man hier besonders stolz ist.

Für die Organisatoren des 2. Dresdner Skiweltcups ist das "Spitzensport vor spektakulärer Kulisse". Die Premiere voriges Jahr hat sie überzeugt, mit Tausenden Besucherinnen und allerhand Werbepotenzial. Andere sind über dieses Spektakel empört. Die Kritiker schauen auf den Energieverbrauch. Auch auf 4.000 Kubikmeter Kunstschnee, die in einer Halle am Stadtrand produziert werden, in einer "Snowfactory", damit die Loipen auf den Elbwiesen weltcuptauglich sind.

Dresden zieht etwas durch, was in keiner anderen Stadt der Republik veranstaltet wird: Winter, den es hier schon eine Weile nicht mehr gab, wird künstlich geschaffen.

Die Veranstalter müssen sich Fragen gefallen lassen. Ist ein solcher Aufwand Ressourcenverschwendung, erst recht in klimabesorgten Zeiten? Andere finden, die Kritiker übertreiben. Wintersport in einer Stadt ist für sie eine Vision.

Der Veranstalter, der bekannte TV-Moderator René Kindermann, 43, ein großer Mann mit smartem Fernsehgesicht, muss nicht nur viel Schnee herbeischaffen. Er bemüht sich auch darum, Bilder von "Nachhaltigkeit" zu produzieren. An einem trüben Nachmittag Anfang der Woche schaufelt er vor Journalisten Schnee in einen Lkw. Es regnet erbärmlich. Das pappige Material, das er verlädt, ist Abrieb aus der Dresdner Eislaufhalle. Kristallene Reste, die anfallen, wenn die Bahn präpariert wird. Dabei kommen tatsächlich ein paar kleine Berge zusammen, die auch für die Loipe verarbeitet werden sollen.

Unterstützung durch Stadt und Land

Kindermann ist überzeugt von seinem Konzept. "Wir sind nicht angetreten, um mit dem Skicup etwas Schlechtes für die Stadt zu schaffen", sagt er, im Regen strahlend. "Wir wollen den Sport als positives Vermarktungselement nutzen."

Seine Bilanz sieht so aus: "Die erste Auflage war ein großer Erfolg." Daran will man nun bei Teil zwei anknüpfen. 40.000 Besucher waren im Januar 2018 an der Strecke. Mit der Fernsehübertragung des Cups habe man weltweit 53 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer erreicht. Für Kindermann ein Effekt, der sich in ein paar Millionen Euro "Werbewert" für die Stadt Dresden umrechnen lässt. Außerdem führt er die gestiegenen Übernachtungszahlen Dresdens speziell auf den Skicup zurück. Auch vom Weltverband Fis, für den das Rennen veranstaltet wird, gab es Lob. "Darauf waren wir natürlich stolz."

Es gibt viele Unterstützer des Projekts. Das Budget beträgt laut Kindermann 1,2 Millionen Euro, ein Teil kommt von Sponsoren, knapp 700.000 Euro schießen die Stadt Dresden und der Freistaat zu. Der Stadtrat hat im Sommer die Förderung abgesegnet und die Fortsetzung der Veranstaltung bis 2022 vereinbart. Eine Mehrheitsentscheidung, verbunden mit harten Diskussionen. Die Fraktionen von Grünen und Linken haben dagegen gestimmt.