Journalisten, Unternehmer, euphorische Sportveranstalter: René Kindermann und sein Partner Torsten Püschel © Doreen Reinhard für ZEIT ONLINE

Große Freude ruft es bei René Kindermann nicht hervor, wenn man ihn nach Ökobilanzen fragt. "Das müsste man dann auch bei Schwimmhallen, bei Fußballspielen, bei jeder einzelnen Sportveranstaltung machen", entgegnet er. Seine Argumente: Man mühe sich an vielen Stellen, Ressourcen zu sparen. Angefangen beim Papier im Büro bis hin zur Loipe, die noch eine Woche nach den Wettkämpfen von vielen Dresdnern genutzt werden kann, auch für den Schulsport. Er hört sich die Meinungen der Kritiker an, viel Verständnis hat er für sie nicht. Hat er nie daran gezweifelt, so viel Schnee in eine meist schneefreie Stadt zu holen? Kindermann schüttelt mit dem Kopf.

Neu ist die Idee nicht. Entwickelt wurde das Konzept in Düsseldorf. Zehn Jahre gab es am Rheinufer ebenfalls ein Langlaufrennen, organisiert von einer städtischen Vermarktungsgesellschaft. "Sie hat geholfen, die Marke ,Sportstadt Düsseldorf‘ zu etablieren", sagt ein damaliger Organisator. Über Klimafaktoren und Aspekte der Nachhaltigkeit sei auch damals debattiert worden. 2011 wurde die Veranstaltung beendet, aus anderen Gründen. Düsseldorf hatte einfach genug von Skiern.

René Kindermann hatte sich in Düsseldorf umgehört, bevor er begann, sein Dresdner Rennen zu planen. Die Idee entstand vor vier Jahren während eines privaten Abendessens mit der damaligen Dresdner Oberbürgermeisterin, erzählt er. "Wir sind freundschaftlich verbunden. Sie hat gesagt, ihr kommt so viel rum. Denkt euch doch mal ein Event aus, mit dem man in der trostlosen Winterzeit Leute nach Dresden holen könnte." Er überlegte, mit seinem Partner Torsten Püschel.

In diesen Tagen treten Kindermann und Püschel als euphorische Sportveranstalter auf. In ihrem Berufsleben sind sie in mehreren Rollen unterwegs. Beide sind zugleich Journalisten. Püschel kommentiert Sport im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Kindermann ist ein bekannter TV-Mann, seit vielen Jahren moderiert er regelmäßig für den MDR und die ARD, zuletzt war er Ende Oktober beim DFB-Pokalspiel Leipzig gegen Hoffenheim als Fieldreporter der ARD tätig. Diese Doppelfunktion hat dem Duo ebenfalls Kritik eingebracht.

Die ARD hat kein Problem mit Kindermanns Doppelrolle

Was antwortet René Kindermann, der Medienprofi, der Lobbyist seines eigenen Skirennens, wenn man ihn nach seinem Beruf fragt? "Unternehmer." Und fügt nach einer kurzen Pause hinzu: "Und Moderator und Journalist." Kindermann selbst, der als freier Mitarbeiter Einzelverträge für Sendungen bekommt, sieht keine Probleme. "Das war mit den Sendern alles vorher klar kommuniziert. Auch, dass das Thema Langlaufsport für mich als Moderator damit wegfällt. Ich berichte auch nicht mehr von Veranstaltungen der Fis." Es habe eine Prüfung des MDR gegeben. "Da haben wir einen Persilschein bekommen, dass alles sauber gelaufen ist."

Der Sender bestätigt auf Anfrage eine entsprechende Kontrolle beider Mitarbeiter im vergangenen Jahr. Mit dem Ergebnis, dass "es aus unserer Sicht keine Interessenskonflikte gibt". Inzwischen sei Kindermann nicht mehr Moderator bei Wintersportereignissen, sondern habe "andere Aufgaben übernommen". Gelegentlich moderiere er noch die Sportschau am Sonntag. Torsten Püschel sei nach wie vor als Sportreporter im Einsatz, auch für die Nordische Kombination, teilen ARD und MDR auf Anfrage mit.

In ein paar Wochen wird René Kindermann wieder das Fernsehgesicht sein. Bis dahin interessieren ihn Sendezeiten und Zuschauerquoten nur als Veranstalter. Ist er lieber Journalist oder Sportunternehmer? Diese Frage findet er ein bisschen komisch. Er lacht. "Das kann ich gar nicht beantworten. Die Vielfältigkeit macht es für mich aus."