Der frühere Handballstar Stefan Kretzschmar hat sich gegen die Kritik an seinen umstrittenen Äußerungen zum Thema Meinungsfreiheit von Profisportlern geäußert. "Wenn man meine Biografie kennt, ist die Instrumentalisierung meines Interviews von politischen Gruppierungen, die meiner eigenen politischen Einstellung nicht ferner liegen könnten, schon grotesk", sagte Kretzschmar der Bild-Zeitung. Die Reaktionen würden seine These allerdings belegen.

Der ehemalige Nationalspieler hatte sich in einem Interview mit t-online über die Meinungsfreiheit geäußert. "Welcher Sportler äußert sich denn heute noch politisch? Es sei denn, es ist die Mainstream-Meinung, mit der man nichts falsch machen kann", hatte Kretzschmar gesagt. Eine gesellschafts- oder regierungskritische Meinung dürfe man nicht mehr haben.

Für die Äußerungen war Kretzschmar stark kritisiert worden. Unter anderem die AfD Heidelberg verbreitete das Interview.

Kretzschmar sieht seine Aussagen aus dem Kontext gerissen. "Mir wurde im Interview die Frage gestellt: 'Warum gibt es keine Typen mehr, keine Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten?' Daraufhin habe ich geantwortet, dass ich jeden Menschen, der in der Öffentlichkeit steht, verstehen kann, wenn er sich heutzutage nicht mehr kritisch äußert und demzufolge auch nicht mehr aneckt", sagte Kretzschmar der Bild. Menschen, die sich in ökonomischen Abhängigkeiten (Arbeits- und Sponsorenverträge) befänden, hätten eben eine eingeschränkte Meinungsfreiheit.

Dass Profis ihre Meinung zu politischen Themen nicht äußern dürfen, sieht Bob Hanning als Vizepräsident des Deutschen Handballbundes für seine Sportart nicht so. "Unsere Spieler dürfen sich politisch äußern oder zu gesellschaftlichen Dingen Stellung beziehen. Ich will den mündigen und intelligenten Spieler, der den Ansprüchen genauso gerecht wird wie die vielen Zuschauer, die uns unterstützen", sagte Hanning der Bild. Es gebe keine Themenbeschränkung, aber gewisse Spielregeln.

Im Interview mit t-online hatte Kretzschmar auch gesagt, dass er früher in der linken Szene unterwegs und teilweise auch unter Hausbesetzern in Berlin gewesen sei. "Das hat meinen Charakter und meine politische Einstellung geprägt, und es hat mich etwas vom Sport abgelenkt", sagte der ehemalige Nationalspieler.