Da gäbe es noch viel zu tun, sagt Richard Schmidt. Er sieht es als Auftrag an Sportpolitik und Medien. Vom Format European Championships in Berlin und Glasgow 2018 hätten die Sommersportarten zum Beispiel sehr profitiert. Nicht gleich mit neuen Sponsoren, aber mit Aufmerksamkeit. Schmidt wünscht sich das öfter, dann kann es auch den Sport wieder voranbringen. 

Oder überhaupt erst mal dessen Zukunft sichern. Denn neben dem Missverhältnis von Aufwand und Ertrag eint die Sportarten auch der Nachwuchsmangel. Immer seltener gelingt es, Talente zu finden und dann zu halten. Die fehlende finanzielle Perspektive machen die Stunden des Schuftens nicht eben verlockender.

"Die, die nachkommen, verdienen gar nichts. Sie müssen aber Erfahrungen sammeln, um irgendwann die Spitze zu ersetzen", sagt Richard Schmidt. Auch im Sport muss man erst investieren, um dann irgendwann zu profitieren, meint er. Der Studie zufolge sind ein Viertel der Ausgaben privat finanziert – und nicht nur im Nachwuchssport sind die Eltern oft die wichtigsten Unterstützer.

Glück, weil er gleich erfolgreich war

"Auch bei mir wäre es lange schwierig gewesen, wenn ich meine Eltern nicht gehabt hätte." Die Grundförderung der Sporthilfe liegt bei 400 Euro, dazu kommen Bezüge abhängig von Leistung und Studium. An manchen Stützpunkten wie dem von Schmidt in Westfalen kommt noch ein kleiner Mietzuschuss dazu. 

Ruderer Richard Schmidt hatte Glück, weil er gleich erfolgreich war. Er fuhr mit 21 Jahren schon zu seinen ersten Olympischen Spielen. In Trier geboren, ist er gleich nach dem Abitur nach Dortmund zum Stützpunkt in eine Vierer-WG gezogen. Dort lebte er bis vor zwei Jahren. "Es war einfach das Billigste", sagt er. Der Kühlschrank war okay, nicht Klischee-studentisch mit Nudeln mit Pesto am Monatsende. Aber Leben auf großem Fuß? Keine Chance, sagt Schmidt. Urlaub war eigentlich nie drin. 

Training, Leben, Lernen – das war und ist nicht leicht unter einen Hut zu bringen bei den Bedingungen. Geschweige denn, dass man etwas für später beiseitelegt. Der Studie zufolge verlieren Spitzensportler im Lauf einer Durchschnittskarriere im Alter zwischen 18 und 30 Jahren ein Bruttoeinkommen von durchschnittlich 57.990 Euro. Nimmt man den späten Berufseinstieg und die fehlende Einzahlung in die Altersvorsorge noch dazu, sind es eher 80.000 Euro, sagt Studienleiter Professor Christoph Breuer von der DSHS Köln. 

Richard Schmidt stellt klar: "Uns Sportlern geht es nicht ums Geld. Auch wenn es wenigstens zum Leben reichen muss. Aber es muss einfach in der Bevölkerung ankommen: Eine Medaille sind nicht vier Jahre Arbeit. Sie ist ein halbes Leben."