Was tun wir unserem Fußball an! Verscherbelt an Investoren ist er eine Riesenindustrie geworden, die wie geschmiert läuft. Die Leute rennen in die Stadien, kaufen Trikots und leisten sich drei Fernsehabos. Die 36 Bundesliga-Vereine machen im Jahr rund 4,5 Milliarden Euro Umsatz. Profivereine zahlen für einen einzigen Spieler inzwischen schon mal 100 Millionen Ablöse, dasselbe in fünf Jahren noch mal an Gehalt.

Die Basis hingegen muss sich mit Krümeln begnügen, sie wird sogar durch Abgaben und Strafen geschröpft. Die Bundesliga ruft: Wir brauchen das Geld für hohe Ablösen, Bayern München will auch in Liverpool gewinnen. Wir können euch nichts geben, liebe Amateure, also stört uns nicht.

Engelbert Kupka © privat

Doch woher kommen denn die Bundesligaspieler? Fast alle haben in kleinen Vereinen angefangen. Wie viele Talente wir allein in Unterhaching in den letzten Jahrzehnten an die Bundesliga abgegeben haben! Nationalspieler kann man übrigens nicht im Ausland kaufen. Die Fußballjugend wächst in den Vereinen heran. Nicht in einer Akademie, wie sie sich der DFB in Frankfurt nun baut. Die braucht kein Mensch, sie dient in erster Linie der Selbstdarstellung.

Den kleinen Vereinen schwört man in Sonntagsreden, dass sie zur Einheit des Fußballs zählen, doch erhalten sie nicht mal das Geld, das ihnen laut Grundlagenvertrag, der die Geldflüsse zwischen Profis und Amateuren regelt, zusteht. Den umging der DFB über Jahre – heimlich, versteht sich. So entgehen ihnen jährlich zig Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft bestätigt dies sogar: Der DFB, gemäß Satzung zuständig für die Amateure, verschiebt Geld, das den Amateuren zusteht, zu den Profis. Sie unternimmt aber nichts gegen diese Veruntreuung und diesen Verstoß gegen die Gemeinnützigkeit. Der DFB wird von der DFL gesteuert, beide gemeinsam halten die Vereine klein.

Was könnte man mit dem Geld machen: den Libero der Ersten Bezirksligamannschaft zahlen? Nein. Man könnte alle 25.000 Vereine von den Abgaben an die Verbände entlasten. Man könnte besonders bedürftige Vereine beim Bau von Sportplätzen und Vereinsheimen bezuschussen. Man könnte Projekte zur Integration oder zur Nachwuchsförderung unterstützen. Aus der Kultur und der Politik gibt es viele gute Beispiele, wie man öffentliche Mittel verteilt.

Kritiker werden isoliert und beleidigt

Doch es ist offenbar nicht so wichtig, dass es der Fußballbasis gut geht. Der für die Amateure zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch hat deren Anspruch, an den Milliarden des Profifußballs beteiligt zu werden, in Kassel mit dem hanebüchenen Vergleich abgetan, dass von Helene Fischer auch nicht erwartet werde, die Gesangskultur kleiner Gemeinden zu fördern. Dass er sich nicht schämt.

Als vor zwei Jahren klar wurde, dass DFB und DFL planten, den Amateurvereinen ihre Förderung zu entziehen, habe ich mich an die DFB-Ethikkommission gewandt. Ich habe alle Details aufgeschlüsselt, jede und jeder kann es nachlesen. Entkräftet hat unsere Argumente und Rechnungen niemand, natürlich auch nicht in Kassel. Stattdessen wurde ich mehrfach öffentlich als Egoist diffamiert. Dabei war ich 39 Jahre ehrenamtlich in Unterhaching tätig, selbst in der Bundesliga. So geht das System mit Kritikern um.

Als wir nicht nachließen, bot man uns ein Gespräch mit den führenden Kräften des DFB und der DFL an – doch nur unter der Voraussetzung, dass wir aufhören, Kritik am DFB zu äußern. Das sagte mir der Vorsitzende der Ethikkommission Klaus Kinkel wörtlich. Er sagte auch: "Ich kann doch den DFB nicht anklagen, auch wenn der was falsch gemacht hat."