Die Frage, ab wann eine Krise eine Krise ist, ist eine Frage der Perspektive. Wenn der FC Bayern drei Spiele hintereinander nicht gewinnt, ist das eine. Beim 1. FC Nürnberg wurde man erst nach dem 14. sieglosen Spiel nervös. Ab wann eine Krise wirklich eine Krise ist, hängt also vom Potenzial der Mannschaft ab, von den Erwartungen und von der unmittelbaren Vergangenheit.

Auch die jüngsten Ergebnisse von Borussia Dortmund kann man so oder so betrachten – als Krisensymptome, schließlich hat der BVB vier Spiele hintereinander nicht gewonnen und zehn Gegentore kassiert. Schließlich hat er einmal sogar in den letzten 15 Minuten eine 3:0-Führung verspielt und schließlich ist er aus dem DFB-Pokal und nach dem 0:3 in Tottenham möglicherweise auch aus der Champions League ausgeschieden.

Andererseits: Der BVB hat gegen zwei gute Bundesligisten (Frankfurt und Hoffenheim) jeweils unentschieden gespielt, hatte im Pokal eben Pech im Elfmeterschießen und hat bei Tottenham Hotspur, dem Dritten der Premier League, deren Kader etwa 250 Millionen Euro wertvoller ist als der Dortmunder, das Hinspiel verloren.

Wer hat nun recht? Jedenfalls erlebt die Borussia gerade zum ersten Mal in dieser Saison, dass die Dinge nicht von selbst laufen. Aber woran liegt das? Und ist nun die Meisterschaft in Gefahr? Fünf Gründe, warum es beim BVB gerade hakt:

1. Kein Marco Reus

Ohne Marco Reus ist der BVB derzeit nur halb so viel wert. Er ist, wie es mittlerweile heißt, ein Unterschiedsspieler. Bis zu seiner Verletzung war der Kapitän so gut drauf wie lange nicht, vielleicht sogar so gut wie noch nie. Er schoss 17 Tore, bereitete 11 vor. Reus ist derzeit wohl der beste Spieler der Liga. Doch nicht nur das: Er wurde in den vergangenen Monaten zu einer Führungsfigur. Im Mai wird er 30 Jahre alt. An ihm kann sich die junge Mannschaft orientieren, er gibt ihr Halt und Struktur. Reus macht das Spiel, kickt den letzten Pass oder trifft selbst. Wegen seiner Muskelverletzung musste er gegen Bremen zur Halbzeit raus, pausierte dann gegen Hoffenheim und Tottenham. Er wird wohl nur noch im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg fehlen. Beim Tabellenletzten sollten die Dortmunder auch ohne Reus Chancen haben. Um Meister zu werden, brauchen sie ihren Kapitän.

2. Kein Paco Alcácer

Auch Paco Alcácer musste gegen Tottenham passen. Der Stürmer hat eine Entzündung in der Schulter. Und auch so ist der Spanier noch nicht in Hinrundenform. Seit dem 18. Dezember 2018 hat er nicht mehr getroffen. Er, der im vergangenen Jahr immer nur ein paar Minuten brauchte, um ein Tor zu machen, sucht derzeit das Glück. Im Elfmeterschießen gegen Werder Bremen vergab er den ersten Schuss und lief weinend vom Platz. Alcácer hat immer wieder muskuläre Probleme, er hat in den vergangenen zwei Jahren in Barcelona kaum gespielt, seinem Körper fehlt der Rhythmus. Dortmund braucht ihn. Der BVB hat zwar viele gute, trickreiche Offensivspieler, unter Knipserverdacht stehen aber die wenigsten.