Bloß nicht so enden wie Pep Guardiola. Der ehemalige Bayern-Trainer war vor fast einem Jahr Gast in Liverpool, bei Jürgen Klopp und seinem Hochgeschwindigkeitsteam. Sein Team, Manchester City, lag in der Liga weit vor Liverpool, war auch im Viertelfinale der Champions League der Favorit.

Ein Konter in den ersten Minuten, zwei Liverpooler Spieler gegen sechs von Manchester City: Tor für Liverpool. Acht Minuten später eine missglückte Abwehr von City, der Ball fiel Alex Oxlade-Chamberlain vor die Füße. Schuss, Tor. Dann eine Flanke in den Strafraum und es stand 3:0. Gespielt waren 30 Minuten, Manchester City und Guardiola wurden überfahren und schieden aus. Besseres Videomaterial werden die Bayern vor dem Duell mit Liverpool nicht kriegen.

Vor dem Achtelfinalhinspiel (Dienstag, 21 Uhr, live bei Sky) ist die größte Sorge des FC Bayern, von Liverpools Tempo umgerissen zu werden wie ein Bäumchen im Sturm. Die Liverpooler Angreifer sind berüchtigt. Mo Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino schossen in dieser Saison 44 Tore. Sie sind eine Gefahr.

Eigentlich, und so sagen es selbst die Bayernspieler, beginnt ihre Saison ja immer erst zu dieser Jahreszeit. In den vergangenen Jahren war die deutsche Meisterschaft im Februar längst eingetütet, in der Bundesliga liefen sie sich nur noch warm für die Champions League, den Showroom des Weltfußballs.

Dieses Jahr ist es anders. Die Bayern müssen sich ranhalten, liegen hinter Dortmund. Und nur den ungewöhnlich warmen Februartagen ist es zu verdanken, dass sich das Champions-League-Duell mit Liverpool zumindest so anfühlt wie sonst. In Wahrheit ging es selten so früh um so viel für die Bayern.

Die Gründe dafür sind Woche für Woche in der Bundesliga zu sehen. 26 Gegentore haben die Bayern bisher kassiert, in der gesamten Saison vorher waren es nur 28. Beim 3:2-Sieg gegen Augsburg schlief der Rechtsverteidiger Joshua Kimmich zweimal, und Niklas Süle hob das Abseits auf. Im Pokal gegen die Hertha patzte Mats Hummels, auch gegen Leverkusen verhielt er sich zweimal so irrational, dass es die Kollegen nicht mehr retten konnten. Jérome Boateng, der langsamer geworden ist, darf unter Niko Kovač nur noch selten spielen. Gegen Liverpool steht er wegen einer Erkrankung gar nicht erst im Kader.

Liverpool hatte eine Pause

Wie oft also sehen die Defensivspieler der Bayern nur die Rückennummern des Liverpooler Angriffstrios? Niko Kovač könnte Javi Martínez vor die Abwehr stellen, um eine zusätzliche Absicherung zu haben. "Liverpool sucht Konter", sagte Kovač, "wir müssen, selbst wenn wir angreifen, eine gute Restverteidigung haben." Restverteidigung, vielleicht trifft das die Bayern am besten. Zuletzt ließ er in allen Spielen hoch verteidigen, die vier Abwehrspieler standen weit vor dem eigenen Tor. So riskiert man Konter des Gegners und Klopp ist der beste Trainer auf diesem Gebiet.

Als kleiner Vorteil für die Reds aus Liverpool könnte sich zudem erweisen, dass sie nun neun Tage frei hatten, weil sie im englischen Pokal, der am Wochenende stattfand, schon ausgeschieden waren. Sie flogen ins Trainingslager nach Marbella, wo Klopp auch zu Dortmunder Zeiten die Bayern-Umstürze vorbereitet hatte.