Um die Bayernstrategie in Liverpool erneut zu verdeutlichen, knallte Mats Hummels in der 92. Minute den Ball weit nach vorne. Von hinten rechts nach vorne links, ins Nichts, kein Spieler war dort zu sehen, wo der Ball auftitschte. Einer für die Einöde. Würden diese, in der Kreisliga äußerst beliebten, Bälle, deren Ziel es ist, möglichst weit weg zu fliegen, ausnahmsweise von der Statistik erfasst – Bayern hätte darin klar gewonnen.

Es wäre wenigstens überhaupt ein Sieg gewesen an diesem Abend. Bayern und Liverpool trennten sich im Achtelfinalhinspiel der Champions League 0:0, der Ballbesitz lag zur Halbzeit exakt bei 50:50, beim Abpfiff waren es 49:51 Prozent. Es war ein Pari-Spiel, dass manch Experte als attraktives Taktikspiel framen würde. Andere würden strenger urteilen: Beide Teams waren im ersten Duell seit 38 Jahren zu ungeschickt für Tore. Liverpool wollte, konnte aber nicht. Die Bayern konnte nicht und fanden das irgendwie gut so.

Der Bayerntrainer Niko Kovač hat Eintracht-Frankfurt-Fußball nach München mitgebracht, man sieht ihn jetzt in der Champions League. Verteidigen und Kratzigsein ist erste Pflicht, Angreifen nur die Kür. Die beste Bayernchance war ein Beinahe-Eigentor vom Liverpooler Schlaks Joel Matip, der aus wenigen Metern seinen Torhüter anschoss. Kingsley Coman schoss kurz darauf ans Außennetz. Mehr gab es an Münchner Chancen im ganzen Spiel nicht zu sehen.

Die übrige Zeit wurde verteidigt, ohne oder mit Ball. Der Rechtsverteidiger Joshua Kimmich blieb stets hinten, statt wie üblich mitzustürmen. Er war gut beschäftigt, die meisten Liverpooler Angriffe liefen über seine Seite. Kimmich leistete sich Fehler im Spielaufbau und ließ sich einige Male düpieren. Doch es ging immer gut. Zudem sah er unnötig die Gelbe Karte und wird im Rückspiel fehlen.

Die besten Spieler waren die Abräumer

Die Innenverteidiger verließen selten die eigene Hälfte, was in der Bundesliga meist anders ist. Selbst Franck Ribéry wurde nur eingewechselt, um hinten zu helfen. Und wenn David Alaba auf der linken Seite doch mal mitmarschierte, blieb James für ihn hinten. So sah er aus, der Rettungsschirm gegen Klopps Überfallfußball. 

Klopps Sturmtrio hat schon bessere Tage erlebt. Mo Salah köpfte in der ersten Hälfte aus fünf Metern neben das Tor, in der zweiten Hälfte verstolperte er sogar einmal einen Ball im Strafraum. Sadio Mané zielte vollkommen alleine einen Drehschuss aus neun Metern einige Meter daneben. Von Roberto Firmino war bis auf einen Hackentrick als Vorlage nicht viel zu sehen.

Die besten Spieler ackerten im defensiven Mittelfeld. Bei den Bayern warf sich Javi Martínez in Zweikämpfe und grätsche so oft den Rasen um, bis er kurz vor dem Ende mit Krämpfen am Boden lag. Er wurde zum Spieler des Spiels gekürt, als defensiver Mittelfeldspieler in einem Spiel, vor dem einer der Trainer (Kovač) gesagt hatte, es werde sicher kein 0:0 zu geben.

Bei Liverpool sorgten die Mittelfeldspieler Jordan Henderson und Naby Keïta dafür, dass die Bayern zu fast keiner Torchance kamen. Sie stibitzen Bälle und erstickten Angriffe. Aber auch sie schufen wenig Gefahr für den Gegner. Einmal zirkelte Henderson einen Ball perfekt in den Lauf von Salah, der spitzelte aber Manuel Neuer an.