ZEIT ONLINE: Warum zeigt sich der Gesundheitssektor trotz der Forschungsergebnisse weiterhin skeptisch gegenüber Ihrer Methode?

Hof: Weil die Pharmaindustrie eine starke Lobby besitzt. Die große Mehrheit der Branche glaubt nach wie vor ausschließlich an die traditionellen Behandlungsmöglichkeiten der Schulmedizin. Wir müssen die Leute darüber aufklären, dass sie selbst viel gegen viele Krankheiten unternehmen können. Ich werde nicht auf das Gesundheitswesen warten, sondern selbst weiter meine Methode und die Wissenschaft dahinter voranbringen.

ZEIT ONLINE: Welche Rolle spielt Ihre erste Frau dabei? Sie beging 1995 Suizid.

Hof: Sie war krank und ich damals völlig hoffnungslos. In gewisser Weise hat sie meinem Vorhaben einen entscheidenden Schub gegeben. Selbst Forscher, darunter der Hannoveraner Heilpraktiker für Psychotherapie, Dr. Matthias Wittfoth, sagen, meine Methode könnte die Therapie von psychischen Krankheiten verbessern. Weil ich gezeigt habe, dass der Mensch tief in sein autonomes Nervensystem eindringen kann. Und das ist für die Behandlung von Depressionen, bipolaren Störungen, Schizophrenie, Psychosen, Traumata, Angstzuständen oder Posttraumatischen Belastungsstörungen enorm wichtig.

ZEIT ONLINE: Sie haben den Kilimandscharo erklommen, kletterten den Mount Everest bis auf 7.400 Meter hinauf und absolvierten einen Marathon nördlich des Polarkreises – und trugen dabei jedes Mal nur kurze Hosen. Worum geht es Ihnen bei diesen Abenteuern?

Hof: Ich will der Welt zeigen, wozu der Mensch fähig ist, und Aufmerksamkeit für die medizinische Bedeutung meiner Methode erzeugen. Nur darum geht es mir.

ZEIT ONLINE: Sie halten aktuell 26 zum Teil sehr skurrile Weltrekorde. Welcher bedeutet Ihnen am meisten?

Hof: Alle sorgten für Neugier, erst von den Medien, dann von Wissenschaftlern. Das war enorm wichtig. Doch als ich zum ersten Mal unter ein Meter dickem Eis tauchte, war das außergewöhnlich und eine beeindruckende Erfahrung.

ZEIT ONLINE: 2011 absolvierten Sie einen Marathon in der Wüste Namib, ohne einen Tropfen Wasser zu trinken. Das sind doch völlig andere Voraussetzungen.

Hof: Es war nicht extrem kalt, sondern extrem heiß. Aber die Idee, über meine Gedanken meine Körperkerntemperatur konstant zu halten, blieb die gleiche. Es geht vor allem um Training und Konzentration. Ich habe während des Marathons 5,2 Liter Flüssigkeit verloren, aber meine Körpertemperatur betrug stets 37 Grad.

ZEIT ONLINE: Sie halten außerdem den Weltrekord für das längste Eisbad: 1 Stunde, 52 Minuten und 42 Sekunden. Welche Phasen durchläuft Ihr Körper in dieser Zeit?

Hof: Sobald ich im Eis bin, beginnt eine knapp fünfminütige Anpassungsphase. Danach aktiviere ich mithilfe von Gedanken mein Nervensystem und versuche, den Einfluss der Kälte zu neutralisieren. Ich bin die ganze Zeit darauf konzentriert, diese Verbindung zwischen Körper und Geist aufrechtzuerhalten.

ZEIT ONLINE: Wann wissen Sie, dass es Zeit ist, das Eisbad zu beenden?

Hof: Irgendwann spürst du, wie dein Körper plötzlich schwerer wird. Ein merkwürdiges, sehr fremdes Gefühl beginnt, dich zu übermannen. Als würdest du die Kontrolle verlieren.


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: Frieren Sie überhaupt noch?

Hof: Sicher. So wie jeder andere von uns auch.

"Durch Training lässt sich der Puls um 20 bis 30 Schläge pro Minute senken."