Wer spielte wie gegen wen?

Mainz 05 sammelte dieses Wochenende die meisten Herzchen ein, sicher aus Mitleid. Bayer Leverkusen wurde am wenigsten geliebt.

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Berlin gegen Dortmund. Nach Siegen gibt es ja kaum einen niedlicheren Trainer als Lucien Favre. Er wirkt dann immer so spitzbübisch und pustet hörbar und erleichtert durch am Mikrofon, das er oft auch immer ein wenig zu tief hält, sodass er dann vom Interviewer kurz ermahnt werden muss, es höher zu greifen, was er dann auch tut, mit dem Gestus eines schusseligen Professors. Und dann noch dieser Akzent der französischen Schweiz, der selbst Beschwerden höflich und charmant klingen lässt. Über den schwer bespielbaren Berliner Rasen sagte er zum Beispiel: "Pff, eine halbe die Platz ist für die Pferde."

Nach dem 3:2-Sieg seiner Borussia wirkte er besonders knuffig. Seine Mannschaft hatte nämlich eines der unterhaltsamsten Spiele der Saison gewonnen. Fünf Tore, zwei Platzverweise, Diskussionen um Elfmeter und Nichtelfmeter, ein entscheidender Treffer in der Nachspielzeit und eine Bewerbung für die Völkerball-WM, viel mehr geht nicht rein in ein Bundesligaspiel, deshalb in Stenogrammform:

  • 1:0 Kalou, 4. Minute, weil Bürki im Berliner Dauerregen einen Ball nicht festhalten konnte.
  • 1:1 Delaney, 14. Minute, abgefälscht von Rerik.
  • 2:1 wieder Kalou, 35. Minute, nach einem wundersamen Handelfmeter. Julian Weigl bekam im Strafraum einen Ball an die Hand, klar. Er drehte sich aber weg und wollte lediglich sein jugendliches Gesicht vor etwaigen Verformungen schützen. Doch die Regel kennt keine Schutzhand. Man soll sich den Ball lieber aus kurzer Distanz in die Visage dreschen lassen. Favre: "Wer hat das erfunden? Das ist dumm, dumm, dumm. Das kann kein Fußballer akzeptieren."
  • 2:2 Zagadou, 47. Minute, per Kopf nach einer Ecke.
  • In der 60. Minute wird Duda nach einem Weigl-Fehler im Dortmunder Strafraum durchaus elfmeterreif umgerempelt, Pál Dárdai pochte daher nach dem Spiel die Halsader: "Er trifft null den Ball, das ist Elfmeter! Leute! Sorry! Ihr könnt mir alles erzählen!"
  • 2:3 Reus, 92. Minute, nach vielen, vielen Chancen und als niemand mehr mit einem Siegtor gerechnet hatte, fassten sich die beiden Dortmunder, die wie gemacht für den Telefonzellenfußball des BVB sind, ein Herz. Jadon Sancho und Marco Reus sind es nämlich, die Platz schaffen, wo keiner ist. Zwei gegen vier, im Strafraum, aus dem Stand. Sancho chippte den Ball ansatzlos mit dem Außenrist zu Reus, der den Fuß hinhielt.
  • Danach warf Ibišević Dortmunds Keeper Bürki den Ball zielgenau an den Kopf, was der Schiri aber nicht mit Applaus, sondern mit der Roten Karte belohnte. Was Ibišević wohl nicht wusste: Der Torwart hat natürlich drei Leben.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Stuttgart gegen Hoffenheim, besonders wenn Sie es mit Hoffenheim halten. Die TSG war wieder einmal die sehr viel bessere Mannschaft, spielte aber wieder einmal nur unentschieden. Zum elften Mal in dieser Saison. Dieses Mal war der eigene Mann schuld. Steven Zuber ist von Hoffenheim an Stuttgart ausgeliehen und traf zum 1:1. Ganz nebenbei pfiff er auf die üblichen Gepflogenheiten, die besagen, dass man nicht gegen seinen Ex-Club jubeln dürfe. In diesem Fall wohl auch der Bald-wieder-Club, der VfB besitzt keine Kaufoption. Nach dem Tänzchen und dem Kuscheln mit Stuttgarts Maskottchen Fritzle aber dürften sich nicht alle im Kraichgau auf Zubers Rückkehr freuen.

Wer stand im Blickpunkt?

Wout Weghorst. Drei Tore und zwei Vorlagen. Wofür manche eine ganze Saison brauchen (und noch einmal andere eine ganze Bundesligakarriere), schaffte der Holländer des VfL Wolfsburg in einem Spiel. Dabei ging Weghorst beim 5:2 gegen Fortuna Düsseldorf zwar mit der Eleganz einer dieser Schlote am VW-Werk zu Werke. Aber auch mit deren Unverwüstlichkeit. Vom Mentalitätsmonster reden sie in Wolfsburg. Weghorst sprintet öfter als jeder andere Bundesligaspieler und wirft sich in jeden Ball. Hat er ihn, prallen seine Gegenspieler reihenweise an ihm ab. Heraus kommen Tore, die selbst vor dem Fernseher noch nach Schweiß riechen. Vielleicht wird Wolfsburg doch noch zu einem Ort für Fußballromantiker.