Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hat den Chemnitzer-FC-Spieler Daniel Frahn für seinen umstrittenen Jubel bei einem Ligaspiel mit sofortiger Wirkung gesperrt. Diese per einstweiliger Verfügung ergangene Sperre gelte bis zur Entscheidung des NOFV-Sportgerichtes, teilte der Chemnitzer FC mit. Einen Termin habe NOFV bisher nicht genannt.

Frahn hatte nach dem Tod eines rechtsextremen Fans im Spiel gegen die VSG Altglienicke ein T-Shirt mit der Aufschrift "Support Your Local Hools" ("Unterstütze deine lokalen Hooligans") hochgehalten. Bereits vor dem Spiel hatte es eine Trauerbekundung im Stadion für einen toten Fan gegegeben, der als Mitbegründer einer ehemaligen rechtsextremen Organisation gilt und laut MDR auch an den Ausschreitungen im Sommer beteiligt gewesen sein soll. Bis 2006 leitete er den Ordnungsdienst beim CFC. Als er erkrankt war, war das T-Shirt, das Frahn hochhielt, in Umlauf gekommen.

Der Mittelstürmer war für seine Geste zunächst vom Verein mit einer Geldstrafe belegt worden. Auf Facebook hatte sich Frahn entschuldigt. Das Zeigen des T-Shirts habe nicht dazu gedient, ein politisches Statement zu setzen, schrieb er. "Mir war auch nicht bewusst, dass dieses Shirt so tief in der Neo-Nazi Szene verankert ist". Dafür wolle er sich aufrichtig und ehrlich entschuldigen. "Als aller erstes möchte ich klarstellen, dass ich KEIN Sympathisant eines Neo-Nazis bin! Auch teile ich diese politische Einstellung NICHT und trage auch keine rechten Gedanken in mir", teilte er mit.

Forderung nach Gewaltmonopol des Staates auch im Stadion

Neben Frahn steht auch der Chemnitzer FC seit dem Spiel gegen Altglienicke in der Kritik. Der Club hatte vor dem Anpfiff die Trauerkundgebung für den verstorbenen Fan zugelassen. Der kaufmännische Geschäftsführer Thomas Uhlig legte alle Ämter nieder. Am Montag gab der Verein weitere personelle Konsequenzen bekannt. Er trenne sich mit sofortiger Wirkung von der Fanbeauftragten Peggy Schellenberger, wie der Regionalligist mitteilte. Die SPD-Stadträtin hatte in einem später gelöschten Post bei Facebook den Tod des rechtsextremen Fans betrauert. Zudem sei ein Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung freigestellt worden; der bisherige Stadionsprecher solle nicht mehr eingesetzt werden, hieß es vom Verein weiter. Einen Tag später legte der Mitgliederbeauftragte Frederick Rank sein Amt nieder.

Der Regionalligist erstattete außerdem nach eigenen Angaben Anzeige "gegen unbekannt wegen aller in Betracht kommenden Delikte". Den Ermittlungsbehörden sicherte der Verein vollständige Unterstützung zu. "Nach Aussagen der zuständigen Mitarbeiter drohten massive Ausschreitungen", sagte der Insolvenzverwalter des Chemnitzer FC, Klaus Siemon. Dieser Umstand begründe zumindest den Anfangsverdacht für eine schwerwiegende Nötigung.

Siemon sprach sich zudem später für das Gewaltmonopol des Staates auch im Stadion aus. "Die Erledigung von Sicherheit in Stadien durch private Sicherheitsdienste ist Einfallstor für rechtsextreme Ideologien", twitterte er. Sie sichere deren Finanzierung und untergrabe das staatliche Gewaltmonopol. Der Sicherheitsdienst des toten Fans war jahrelang bis 2007 auch für die Sicherheit im Stadion des CFC verantwortlich gewesen.

Siemon reagierte damit auf eine Stellungnahme von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Dieser hatte gefordert, "dass die Verantwortlichen beim Chemnitzer FC und beim Nordostdeutschen Fußballverband die erforderlichen Konsequenzen ziehen".