Nach dem Abpfiff konnte Cristiano Ronaldo für einen Moment selbst kaum glauben, was er vollbracht hatte. Regungslos verharrte er, staunend, offenbar überrascht von dem lauten Jubel der ekstatischen Zuschauerinnen und Zuschauer. Erst als die ersten seiner Mitspieler, die alle zu ihm eilten, bei ihm eintrafen, hob auch er die Arme.

Dann schwenkte das Publikum die schwarz-weißen Fahnen noch wilder, sang die Hymne "Juve, storia di un grande amore" noch lauter. Und Pavel Nedvěd, einst bester Fußballer Europas, fiel in der Loge dem Clubbesitzer Andrea Agnelli von hinten um den Hals. Selbst Andrea Pirlo, Vereinsikone und Stoiker, zuckte anerkennend mit der Augenbraue. Juventus Turin, der edle, adlige Verein mit der großen Geschichte, feierte eine seiner größten Fußballnächte. Die ihm Ronaldo geschenkt hatte.

0:2 hatte Juventus Turin vor drei Wochen das Hinspiel verloren, die Elf war deutlich unterlegen, kam nie an der Madrider Defensive vorbei. Vor dem Rückspiel hieß es: Gegen die Abwehrkünstler von Atlético hat Juventus keine Chance, das noch umzubiegen. Es sei denn … tja, es sein denn, Ronaldo macht drei Tore.

Jeder wusste, was passieren würde

Und Ronaldo machte drei Tore. Tor eins fiel in der 27. Minute: Atlético hatte die stürmische Anfangsphase der Heimelf überstanden, erwies sich als resistenter Gegner, der auch größtem Druck standhalten kann. Dann flankte Federico Bernardeschi von links an den zweiten Pfosten. Dort sah sich Juanfran, der kleine Außenverteidiger, einer Naturgewalt namens Ronaldo ausgesetzt. Der nahm Anlauf und köpfte den Ball ins wackelnde Netz.

Tor zwei geschah in der 49. Minute: Die Flanke kam diesmal von João Cancelo und von rechts. Wieder stahl sich Ronaldo, eigentlich Flügelstürmer, in den Strafraum. Diesmal wurde er noch von Diego Godín bedrängt, und Jan Oblak, Atléticos Tormann, parierte den Kopfball. Doch die Torlinientechnik am Handgelenk des Schiedsrichters schlug Alarm, ein paar Zentimeter bloß war der Ball hinter der Linie. Diesmal hatten sie Ronaldo gemeinsam ganz gut eingeschränkt, doch ganz gut war natürlich nicht gut genug.

Tor Nummer drei war ein Elfmeter. Es war ein überflüssiges Foul durch Ángel Correa an Bernardeschi. Als der Schiedsrichter pfiff, schrien die Menschen vor Freude. Jede und jeder wusste, was passieren würde und so kam es: Ronaldo ließ Oblak selbstverständlich keine Chance, es lief die 86. Minute. Hattrick, der 52. in seiner Karriere.