Als die Ermittler im Hotelzimmer erschienen, hatte einer noch eine Nadel im Arm. Leugnen war jetzt sinnlos. Ein anderer der fünf Skilangläufer, die am Mittwoch in Seefeld festgenommen wurden, hatte bereits zuvor bei dieser Weltmeisterschaft eine Dopingprobe abgeben müssen. Das Ergebnis ist jetzt quasi überflüssig, doch sie wäre bestimmt negativ auffallen, wie beinahe alle Dopingtests, die der Sport durchführt.

Erwischt wurden die Betrüger von der Polizei, vom Staat. Erstmals zeigte das deutsche Antidopinggesetz, das im Dezember 2015 in Kraft getreten ist, seinen Sinn und seine Wirkung.

Vertreter des Sports beschwören gern seine Selbstreinigungskräfte, viele würden den Kampf gegen Doping am liebsten selbst führen. "Eine Kooperation mit der Staatsanwaltschaft ist einfach nicht gewünscht", sagte Kai Gräber, der Leiter der Staatsanwaltschaft München, einer von drei Schwerpunkten in Deutschland, der Süddeutschen Zeitung im Dezember. "Die wollen unter sich bleiben und es unter sich regeln, sie haben Furcht vor Einmischung."

Die Entscheidungsträger des Sports verweisen dann auf die angeblich strengen Methoden der Antidopingagenturen, die Wada und die Nada, die regelmäßig das Urin oder Blut der Athletinnen und Athleten testen. Doch deren Trefferquote liegt im Schnitt weit unter einem Prozent, obwohl die Dunkelziffer der Doper in vielen Sportarten um ein Zigfaches höher liegt. Das weiß jeder, der es wissen will.

Doping schade dem Geschäft

Der Sport erwischt nur die wenigsten seiner Doper, weil er sie, wie Kritiker meinen, nicht erwischen will. "Sie wollen nicht Doping verhindern, sondern Dopingdebatten verhindern", sagt Hajo Seppelt. Doping schade dem Geschäft. Der ARD-Dopingexperte hat noch den politischen Kampf in Erinnerung, der in Deutschland länger als ein Jahrzehnt um das Antidopinggesetz geführt wurde. Der einstige DOSB-Präsident Thomas Bach konnte es lange verhindern. Erst als er zum IOC ging, war der Weg frei.

Widerstand gegen das Gesetz gab es damals auch in der Politik, vor allem in der Union. Horst Seehofer zum Beispiel war lange kein Befürworter, bevor er sich von der damaligen bayerischen Justizminsterin Beate Merk überzeugen ließ. Die CSU-Politikerin war rund ein Jahrzehnt lang eine Einzelkämpferin. Dass nun ein Dopingnetzwerk ausgehoben wurde, ist auch ihr Verdienst. Nun sagt auch Seehofer: "Ich war immer für eine gesetzliche Grundlage gegen Doping." Er wünsche sich sogar, dass man vielleicht noch nachschärfe.

Den Seefeld-Skandal vor Augen kann man nur mutmaßen, was ohne das Antidopinggesetz passiert wäre. Ob die Dopingbeichte Johannes Dürrs im Januar, die die Behörden aktiv werden ließ, zu weiteren Ermittlungen geführt hätte? Dass der Sport etwas unternommen hätte, ist jedenfalls sehr fraglich. Dürr wurde von Funktionären und Athleten als Einzeltäter bezeichnet und als Nestbeschmutzer betrachtet. Das ist üblich.

Auch dass Dürr in den Medien auspackte, ist bezeichnend für die Misere des Sports. Er dürfte sich schwer getan haben, eine Anlaufstelle im Sport zu finden. Vielleicht war ihm das russische Ehepaar Stepanow ein warnendes Beispiel. Dessen Belege überführten vor vier Jahren den russischen Geheimdienst des systematischen Betrugs. Die Wada, denen sich das Paar zuerst anvertraute, hatte sie ignoriert. Erst das deutsche Fernsehen brachte die Sache ins Rollen.