First Person View Racing (FPV-Racing), auch Drone Racing genannt, ist ein Motorsport. Piloten fliegen kleine Drohnen in einem Rennen gegeneinander. Auf die Drohnen sind Kameras gebaut, das Livebild wird direkt auf eine Videobrille übertragen. So steuert der Pilot die Drohne. Die Strecken haben Kurven, Tore und enge Tunnel. Die Drohnen werden bis zu 160 Kilometer pro Stunde schnell, die Drone Champions League ist die Königsklasse der Sportart. Sie beginnt an diesem Wochenende im schweizerischen Laax auf über 2.000 Metern. Der deutsche Pilot Heiko Schenk startet für das Siegerteam der Vorsaison.

ZEIT ONLINE: Herr Schenk, was macht für Sie FPV-Racing aus?

Heiko Schenk: Das Eintauchen in die Vogelperspektive. Durch die FPV-Brille kann ich alles von oben sehen. Und es ist ein sehr technischer Sport. Wir bauen unsere Drohnen selbst. Ich bin mein eigener Rennstall.

ZEIT ONLINE: Apropos Rennstall: Häufig kommt der Vergleich mit der Formel 1 auf.

Schenk: Diesen Vergleich würde ich auch am ehesten wählen. Formel-1-Piloten müssen sich gut mit ihrem Auto auskennen, viel trainieren, fit und ausgeschlafen sein. Wir haben nur nicht diese krasse Unfallgefahr, weil wir nicht selbst in der Maschine drinsitzen.

Heiko Schenk geht in der Drone Champions League als Pilot an den Start. © DCL / Daniel Graf

ZEIT ONLINE: Hatten Sie mit Ihrer Drohne schon mal einen Unfall bei einem Rennen?

Schenk: Ja, in Rumänien sind wir vor zwei Jahren über eine Salzmine geflogen. Das Wasser war extra mit Netzen abgespannt, aber eine matschige Ecke am Ufer war noch frei. Bei einem Crash ist die Drohne abgestürzt und im Matsch steckengeblieben. Durch das Salz war die ganze Drohne hinüber. Ich war beeindruckt, wie schnell das ging. Das ganze Carbon war zerfressen. In wenigen Minuten war alles, was nach Metall aussah, korrodiert. Das Rennen konnte ich fortsetzen, ich nahm einfach die nächste Drohne und es ging weiter. Wie in der Formel 1, nur günstiger.

ZEIT ONLINE: Müssen Drohnenpiloten Technik-Nerds sein?

Schenk: So stark ausgeprägt wie bei mir ist das bei den anderen nicht. Ich entwerfe eigene Frames, mache Aerodynamiksimulationen, alles, was dazugehört. In der Materialforschung hilft mir ein Freund. Die Vibration, Funktechnik, Elektronik – zu jedem der einzelnen Felder könnte man ein Leben lang studieren.

ZEIT ONLINE: Haben Sie studiert?

Schenk: Nein, ich habe eine Ausbildung zum IT-Entwickler gemacht. Das hilft mir aber ehrlich gesagt nicht so sehr bei den Drohnen. Ich wäre besser mehr ins Handwerkliche gegangen. Als ich mit Drohnenrennen anfing, habe ich mir einen Lötkolben gekauft und musste erst mal lernen zu löten.

ZEIT ONLINE: Wie kamen Sie darauf, Drohnenpilot zu werden? Sie haben da sicher nicht geträumt von als kleiner Junge, oder?

Schenk: Das stimmt. Ich fing wie wohl fast jeder mit einer Fotodrohne an und habe Aufnahmen gemacht. Beim Stöbern im Internet habe ich dann Drohnenrennen entdeckt. 2016 war das, also relativ spät. Ich war sofort Feuer und Flamme und habe mir noch an dem Tag ein Anfängerset bestellt. Nachdem ich die Brille einmal aufhatte, kam ich nicht mehr davon los. Es ist, als säße ich selbst in der Drohne. Dadurch kriege ich beim Sinkflug Achterbahngefühle im Bauch. So sehr ist der Körper davon getäuscht.

ZEIT ONLINE: Was war Ihr Berufswunsch als Kind?

Schenk: Hatte ich nicht. Es war nie so, dass ich unbedingt Astronaut oder Pilot werden wollte. Das wäre jetzt natürlich die beste Antwort gewesen.

ZEIT ONLINE: Wenn Sie dem kleinen Heiko sagen könnten, dass er später mal mit Drohnenrennen sein Geld verdient, wie würde er reagieren?

Schenk: Ferngesteuerte Autos haben mich als Kind sehr fasziniert. Deswegen würde der kleine Heiko das wahrscheinlich sehr geil finden. Vermutlich hätte ich dann noch ein paar Jahre früher angefangen.

ZEIT ONLINE: Am Wochenende startet die Drone Champions League im schweizerischen Laax in ihre vierte Saison. Wie hoch ist Ihre Motivation, nachdem Sie mit Ihrem Team bereits den Titel geholt haben?

Schenk: Ich bin vergangene Saison leider nur die ersten und nicht die letzten Rennen geflogen. Da war dann ein anderer Pilot am Start. Als wir den Titel gewonnen haben, war ich nicht mit dabei. Klar habe ich mich im Nachhinein geärgert, aber dadurch ist der Ansporn bei mir noch sehr groß.

ZEIT ONLINE: Im Fußball ist die Champions League die Königsklasse. Wie ist das bei Drohnenrennen?

Schenk: Genauso. Die DCL ist die größte und schnellste Liga der Welt. Aus Australien, den USA, Asien und Europa kommen die besten Piloten zusammen. Es ist einfach Wahnsinn.