Am Freitag um 11.42 Uhr erhielten die Fußballjournalisten Deutschlands eine sehr deutsche Nachricht: "Aufgrund von Verspätungen der Deutschen Bahn", schrieb der DFB in seinem WhatsApp-Dienst, "kann die für 12.30 Uhr geplante Pressekonferenz mit Bundestrainer Joachim Löw leider nicht pünktlich beginnen." Gab es je einen Satz, der unser Land besser beschreiben würde? Fußballbund und Bahn im Doppelpass, DFB und DB, nur ein Buchstabe trennt sie – zwei deutsche Institutionen, zwei Global Player, die beide ein wenig in Defensive geraten sind.

Wie die Bahn fast immer ist auch Jogi Löw seit einiger Zeit im Fach Krisen-PR gefragt. Diesmal, weil es in seiner Personalplanung zu einer Art geänderter Wagenreihung gekommen ist. Vorige Woche hat er sich für alle überraschend von Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels getrennt, obwohl er sie noch vor ein paar Monaten als "unverzichtbar" erklärt hatte. Für immer, wie alle es verstanden.

Wie das Nein gemeint war

Am Faschingsdienstag stand Löw in München vor der Tür und überbrachte ihnen in kurzen Gesprächen die traurige Nachricht. Kurz darauf, dieses Detail ist wichtig, verschickte der DFB-Präsident Reinhard Grindel eine Nachricht über seinen Twitter-Account, in der er die Entscheidung seines Trainers wortwörtlich begrüßte. Nicht nur viele Medien, sondern alle drei Betroffenen kritisierten Art und Stil der Entscheidung. Hummels drückte seinen Ärger aus, Boateng etwas gemäßigter. Am direktesten war Müller. Das habe mit "Wertschätzung" und "Stil" nichts zu tun, sagte er.

Das wollte Löw nicht so stehen lassen und berief eine Sonderpressekonferenz ein, dem allgemeinen Vorwurf entgegentretend, der Öffentlichkeit aus dem Weg zu gehen. Erst ließ er sich von seinem Pressesprecher für die zweiundvierzigminütige Verspätung entschuldigen, dann verkündete er allen Journalisten, die seine Ankündigungen noch nicht vorher auf Bild plus gelesen hatten, die Neuigkeit, wie er das Nein zu den drei Weltmeistern gemeint hatte.

"Ich habe keine Ahnung, was in einem Jahr sein wird"

Seine Botschaft: Ihm war es wichtig, den Spielern die Entscheidung in einem persönlichen Gespräch überbracht zu haben. Sonst hätte er sich geschämt. Fast nebenbei kam heraus, dass er sich gar nicht so festgelegt haben will, wie alle das verstanden hatten. Er habe die drei, für die er sehr würdigende Worte fand, "nicht verbannt", sagte er, "aber ich plane die Quali und die EM ohne sie". Ein Comeback der drei ist also möglich, wenn sich die halbe Mannschaft verletzt oder in die Formkrise gerät, oder so. Auf wiederholte Nachfrage sagte Löw, den man einst einen Visionär nannte: "Ich habe keine Ahnung, was in einem Jahr sein wird."

Entschiedener wurde Löw in einem anderen Punkt, der ebenfalls so etwas wie Verzögerungen im Betriebsablauf beim DFB deutlich werden ließ: Der DFB-Präsident Reinhard Grindel ließ sich ein paar Tage nach der Operation Säbener Straße in der FAZ zitieren, er fühle sich vom Bundestrainer nicht informiert. Kühl wies Löw diesen Vorwurf zurück. Er habe Oliver Bierhoff rechtzeitig in Kenntnis gesetzt, der wiederum anschließend den üblichen Verteiler. Löw nannte übrigens nicht den Namen des Präsidenten, sondern sagte, er habe "manche Leute" informieren lassen, andere eben nicht.