Man hat sich ja fast schon an solche verrückten Summen gewöhnt. 80 Millionen Euro zahlt der FC Bayern München für Lucas Hernández an Atlético Madrid. Doch man darf nicht übersehen: Das ist Bundesliga-Rekord und fast doppelt so viel Ablösegeld wie der bisher teuerste Einkauf einer Bundesliga-Mannschaft. 43 Millionen Euro war dem VfL Wolfsburg vor vier Jahren Julian Draxler wert, rund 42 Millionen überwies Bayern für Corentin Tolisso. Hernández ist vielleicht sogar der teuerste Abwehrspieler der Welt. Die Angaben über den Betrag, den Liverpool für Virgil van Dijk vor einem Jahr zahlte, schwanken zwischen 78 und 84 Millionen Euro. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Hernández-Transfer:

Wer ist Lucas Hernández?

Weltmeister. Bei der WM 2018 war er linker Verteidiger der französischen Nationalelf. Benjamin Pavard, sein Pendant auf der rechten Seite, schoss im Achtelfinale gegen Argentinien eins der schönsten Tore der WM 2018. Das ist vielen in Erinnerung. Dass Hernández der Vorbereiter war, haben viele nicht mehr vor Augen. Ab Sommer werden beide für die Bayern spielen. Hernández kommt von Atlético, wo er als Jugendlicher ausgebildet wurde. Im Champions-League-Finale 2016 wurde er eingewechselt. Atlético verlor im Elfmeterschießen gegen Real. Neben Pavard, Tolisso und Kingsley Coman wird der 23-jährige Hernández der vierte Franzose im Team der Bayern sein.


Warum ist er so teuer?

Zum einen bestimmt der Markt den Preis. Es gibt auf der Welt nicht viele sehr gute Linksverteidiger, die darüber hinaus noch Innenverteidiger spielen können. Wenn auch fraglich ist, ob man diese beiden unterschiedlichen Positionen zugleich auf höchstem Niveau spielen kann. Und er ist halt Weltmeister. Das erhöht den Preis enorm, auch wenn ein WM-Titel sportlich weniger wert ist als ein Champions-League-Titel.

Zum anderen hat Uli Hoeneß eingesehen, dass er sein etwa zwei Jahre altes Wort, der FC Bayern werde niemals 100 Millionen Euro für einen Spieler ausgeben, infrage stellen muss, wenn er international etwas gewinnen will. Andere Clubs, etwa Borussia Dortmund, scouten im Ausland junge Talente und entwickeln sie. Das ist billiger, verlangt aber mehr Know-how und Fleiß. Der FC Bayern hingegen kauft Spieler, die sich bereits durchgesetzt haben. So ähnlich macht es auch Siemens. Wer es sich leisten kann ...

Ist er sein Geld wert?

Hernández wird sicher einer der besten Abwehrspieler der Bundesliga sein, wenn nicht gar der beste. Zumindest ist er der bessere Verteidiger als Pavard, der in der Weltmeisterelf hinten eine Schwachstelle war. Hernández hingegen ist schwer auszuspielen, führt harte Zweikämpfe, ist schnell, wendig und taktisch geschult. Auch wenn er dort nicht immer Stammspieler war, trägt er das Gütesiegel Atléticos, der besten Defensive der Welt. Dort ging er in die Kampfschule Diego Simeones. Auch am Ball ist er mehr als brauchbar. Hernández bringt sehr viel Qualität mit, doch ...

Bundesliga - FC Bayern holt Weltmeister Lucas Hérnandez Der französische Abwehrspieler ist der kostspieligste Bayern-Neuzugang aller Zeiten. 80 Millionen Euro Ablöse hat er gekostet. © Foto: Marius Becker/dpa

Was plant der FC Bayern mit ihm?

… das ist die andere entscheidende Frage. An den Plänen des FC Bayern waren in den vergangenen Jahren viele Köpfe beteiligt. Das hat der sportlichen Entwicklung geschadet. Kaufen ist das eine, doch nun stellen sich inhaltliche Fragen: Wie wird Hernández integriert? Wer soll für ihn weichen? Was sind seine Stärken und wie kommen sie zur Geltung? In solcher Feinarbeit war der FC Bayern zuletzt nicht erstklassig, Spieler wurden eher wahllos gekauft oder gar geliehen. Und wer weiß, hätte Frankreichs Gegner das WM-Finale in Moskau gewonnen, hätte Bayern womöglich zwei Kroaten gekauft.

Vermutlich heißt Hernández' Wechsel, dass Jérôme Boateng die längste Zeit Bayern-Spieler gewesen sein wird. Vielleicht gilt das auch für Mats Hummels. Der FC Bayern setzt künftig auf die Weltmeister 2018, weniger auf die Weltmeister 2014. Eher unwahrscheinlich, dass sich David Alaba, der Linksverteidiger, Sorgen machen muss. Er ist einer der wenigen, die noch aus dem eigenen Gewächshaus stammen.